List view for cases

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    "slug": "lg-detmold-2015-04-13-4-qs-3215",
    "court": {
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        "name": "Landgericht Detmold",
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        "jurisdiction": "Ordentliche Gerichtsbarkeit",
        "level_of_appeal": "Landgericht"
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    "file_number": "4 Qs 32/15",
    "date": "2015-04-13",
    "created_date": "2019-01-16T13:22:04Z",
    "updated_date": "2020-12-10T14:15:42Z",
    "type": "Beschluss",
    "ecli": "ECLI:DE:LGDT:2015:0413.4QS32.15.00",
    "content": "<h2>Tenor</h2>\n\n<p>Auf die Beschwerde wird der angefochtene Beschluss dahingehend abge&#228;ndert, dass die der Sachverst&#228;ndigen Dr. L aus der Landeskasse zu erstattende Verg&#252;tung auf 741,13 &#8364; festgesetzt wird.</p>\n<p>&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Das Verfahren ist gerichtsgeb&#252;hrenfrei; au&#223;ergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.</p>\n<p>&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Die weitere Beschwerde wird zugelassen.</p><br style=\"clear:both\">\n\n<span class=\"absatzRechts\">1</span><table class=\"absatzLinks\" cellpadding=\"0\" cellspacing=\"0\"><tbody><tr><td colspan=\"3\"></td>\n</tr>\n<tr><td></td><td></td>\n<td></td></tr>\n<tr><td colspan=\"3\"></td>\n</tr>\n<tr><td colspan=\"3\"></td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<span class=\"absatzRechts\">2</span><p class=\"absatzLinks\">I.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">3</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Durch Bu&#223;geldbescheid des Kreises Lippe vom 29. Dezember 2012 wurde dem Betroffenen vorgeworfen, am 18. Oktober 2012 gegen 21:38 Uhr auf der B239 in Bad Salzuflen die zul&#228;ssige H&#246;chstgeschwindigkeit um 74 km/h &#252;berschritten zu haben. In der auf den Einspruch des Betroffenen am 24. April 2013 stattfindenden Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Lemgo machte der Betroffene geltend, dass nicht er, sondern sein Bruder das Fahrzeug zur Tatzeit gef&#252;hrt habe. Das Amtsgericht beauftragte daraufhin die Beteiligte zu 2) mit der Erstellung eines anthropologischen Gutachtens, welches von der Beteiligten zu 2) in der Hauptverhandlung am 16. Oktober 2013 erstattet wurde. Auf Grundlage des Gutachtens wurde der Angeklagte durch Urteil vom gleichen Tage freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">4</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Mit Rechnung vom 25. Oktober 2013 stellte die Beteiligte zu 2) ihre Leistungen mit insgesamt 814,02 &#8364;&#160; &#8211; 612,50 &#8364; Honorar (6,125 Arbeitsstunden &#225; 100,00 &#8364;) zuz&#252;glich Fahrtkosten in H&#246;he von 71,55 &#8364; und Mehrwehrsteuer in H&#246;he von 129,97 &#8364; &#8211; in Rechnung. Der Rechnungsbetrag wurde ihr am 28. Oktober 2013 &#252;berwiesen.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">5</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Unter dem 13. November 2014 beantragte der Beteiligte zu 1) die gerichtliche Festsetzung der Verg&#252;tung der Beteiligten zu 2) dahin, dass dieser &#8211; neben den Fahrtkosten und der Mehrwertsteuer &#8211; nur ein Honorar in H&#246;he von insgesamt 459,38 &#8364; netto (= 6,125 Stunden a 75,00 &#8364;) zustehe. Zur Begr&#252;ndung f&#252;hrte der Beteiligte zu 1) an, dass die Erstellung eines anthropologischen Vergleichsgutachtens der Honorargruppe M2 der Anlage zu &#167; 9 Abs. 1 S. 2 JVEG zuzuordnen und daher nur ein Stundensatz von 75,00 &#8364; gerechtfertigt sei.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">6</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Mit Beschluss vom 18. Februar 2015 setzte das Amtsgericht Lemgo die Verg&#252;tung der Beteiligten zu 2) auf 814,02 &#8364; fest. Seine Entscheidung begr&#252;ndete das Amtsgericht damit, dass eine Eingruppierung in die Honorargruppen M1 bis M3 nicht erfolgen k&#246;nne, da die Gutachtert&#228;tigkeit der Beteiligten zu 2) nicht mit einer medizinischen Begutachtung verglichen werden k&#246;nne. Vielmehr sei die T&#228;tigkeit in Form der rein &#228;u&#223;erlichen Beschreibung von K&#246;rpermerkmalen mit der der Erstellung eines Schriftgutachtens vergleichbar, so dass eine Eingruppierung in die Honorargruppe 8 mit einem Stundensatz von 100,00 &#8364; angemessen sei.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">7</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Hiergegen wendet sich der Bezirksrevisor mit seiner Beschwerde vom 05. M&#228;rz 2015, mit der er weiterhin die Auffassung vertritt, dass die T&#228;tigkeit der Beteiligten zu 2) der Honorargruppe M2 zuzuordnen sei.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">8</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Mit Schriftsatz vom 02. April 2015 verteidigt die Beteiligte zu 2) im Rahmen des Beschwerdeverfahrens die amtsgerichtliche Entscheidung. Mit dem Amtsgericht ist die hauptberuflich als Gutachterin t&#228;tige Beteiligte zu 2) der Meinung, dass die Eingruppierung ihrer T&#228;tigkeit in die Honorargruppe 8 gerechtfertigt sei. Der Beteiligte zu 1) verkenne, dass ihre T&#228;tigkeit aufgrund des Spezialwissens und dem besonderen Einsatz weitergehender computergest&#252;tzter, vor allem aber bildanalytischer Verfahren nicht mit dem &#252;blichen Standard einfacher Bildbetrachtung und spontaner Wiedererkennung zu vergleichen sei.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">9</span><p class=\"absatzLinks\">II.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">10</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Die vom Amtsgericht zugelassene Beschwerde ist gem&#228;&#223; &#167; 4 Abs. 3 JVEG statthaft und auch im &#220;brigen zul&#228;ssig. In der Sache f&#252;hrt sie zu einer Ab&#228;nderung der angefochtenen Entscheidung in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">11</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 1. Gem&#228;&#223; &#167; 9 Abs. 1 S. 3 JVEG ist das Honorar der Beteiligten zu 2) nach billigem Ermessen festzusetzen, da die Erstellung eines anthropologischen Vergleichsgutachtens in keiner der Honorargruppen der Anlage 1 zu &#167; 9 JVEG genannt wird.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">12</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Im Rahmen der insofern erforderlichen Ermessensaus&#252;bung kommt eine Eingruppierung in die Honorargruppen M1 bis 3 &#8211; wie von dem Bezirksrevisor vertreten &#8211; nach Auffassung der Kammer nicht in Betracht, weil diese ausschlie&#223;lich medizinischen Begutachtungen vorbehalten sind. Der Schwerpunkt des anthropologischen Vergleichsgutachtens liegt dagegen nicht in der Anwendung spezieller medizinische Kenntnisse, sondern auf dem rein &#228;u&#223;erlichen Abgleich von K&#246;rpermerkmalen, ist also keinesfalls vergleichbar mit der T&#228;tigkeit eines medizinischen oder psychologischen Sachverst&#228;ndigen [vgl. OLG Stuttgart, Beschluss vom 22. Juni 2005, 2 Ws 115/05, NStZ 2006, 241; OLG Frankfurt, Beschluss vom 21. September 2005, 2 Ws 85/05, NStZ-RR 2005, 392]. Dieser Ansicht steht nicht entgegen, dass der Gesetzgeber in seiner Begr&#252;ndung des 2. Kostenmodernisierungsgesetzes vorgeschlagen hat, in diesen F&#228;llen k&#246;nne auf die Honorargruppen M1 bis M 3 zur&#252;ckgegriffen werden [vgl. BT-Drucks. 17/11471, S. 355f.]. Denn diese Erw&#228;gung ist weder bindend noch formuliert sie die Basis der gesetzgeberischen Entscheidung [vgl. OLG K&#246;ln, Beschluss vom 04. August 2014 &#8211; III-2 Ws 419/14, 2 Ws 419/14]. Vielmehr soll sich die Verg&#252;tung des Sachverst&#228;ndigen nach dem im Kostenmodernisierungsgesetz zum Ausdruck kommenden gesetzgeberischen Willen in erster Linie an dem unter den heutigen Verh&#228;ltnissen herrschenden Marktverh&#228;ltnissen orientieren. Zwar ist f&#252;r anthropologische Gutachten ein Marktwert nicht zu ermitteln, da anthropologische Vergleichsgutachten auf dem freien Markt &#252;blicherweise nicht nachgefragt werden. Aufgrund der seit Jahren bestehenden Rechtspraxis, anthropologische Gutachter nach der Honorargruppe 6 zu verg&#252;ten, hat sich aber zumindest innerhalb der Justiz ein bestimmter Marktwert gebildet, der das &#252;bliche Verg&#252;tungsniveau kennzeichnet und auf den nach Auffassung der Kammer in Ermangelung au&#223;erbeh&#246;rdlich feststellbarer &#252;blicher Stundens&#228;tze zur&#252;ckgegriffen werden kann, jedenfalls dann, wenn &#8211; wie hier &#8211; die Sachverst&#228;ndige als hauptberufliche Gutachterin t&#228;tig wird [vgl. OLG K&#246;ln, Beschluss vom 04. August 2014, III-2 Ws 419/14].</p>\n<span class=\"absatzRechts\">13</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 2. An den vorstehend genannten Ma&#223;st&#228;ben gemessen war die Verg&#252;tung f&#252;r die Beteiligte zu 2) daher wie folgt festzusetzen:</p>\n<span class=\"absatzRechts\">14</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Honorar (Honorargruppe 6)&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 6,125 Stunden &#225; 90,00 &#8364;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 551,25 &#8364;</p>\n<span class=\"absatzRechts\">15</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; Fahrtkosten&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160; 71,55 &#8364;</p>\n<span class=\"absatzRechts\">16</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; <span style=\"text-decoration:underline\">Umsatzsteuer &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 118,33 &#8364;</span></p>\n<span class=\"absatzRechts\">17</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; gesamt&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; <strong><span style=\"text-decoration:underline\">741,13 &#8364;</span></strong></p>\n<span class=\"absatzRechts\">18</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 3. Die Kostenentscheidung beruht auf &#167; 4 Abs. 8 JVEG</p>\n<span class=\"absatzRechts\">19</span><p class=\"absatzLinks\">&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160; 4. Gem&#228;&#223; &#167; 4 Abs. 5 JVEG hat die Kammer die weitere Beschwerde zugelassen, weil die Sache grunds&#228;tzliche Bedeutung hat.</p>\n      "
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