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    "file_number": "10 U 64/00",
    "date": "2001-06-07",
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    "updated_date": "2022-10-17T06:16:59Z",
    "type": "Urteil",
    "ecli": "ECLI:DE:OLGD:2001:0607.10U64.00.00",
    "content": "<h2>Tenor</h2>\n\n<br style=\"clear:both\">\n\n<span class=\"absatzRechts\">1</span><p class=\"absatzLinks\"><span style=\"text-decoration:underline;\"><b>T a t b e s t a n d :</b></span></p>\n<span class=\"absatzRechts\">2</span><p class=\"absatzLinks\">In der Zeit von M&#228;rz 1997 bis Mitte 1999 war die Kl&#228;gerin\naufgrund einer mit dem Erblasser getroffenen m&#252;ndlichen\nVereinbarung Mieterin einer Wohnung im Erdgeschoss und 1.\nObergeschoss des Hauses S. 23 in N.. Die Mietr&#228;ume waren durch eine\nGeschosstreppe miteinander verbunden, deren Stufen ausweislich\neines in dem Verfahren 7 OH 13/99 AG Neuss von dem Sachverst&#228;ndigen\nv. H. unter dem 23.3.1999 erstatteten Gutachtens eine\nunterschiedliche Auftrittsbreite hatten und die im Bereich der 7.\nStufe lediglich &#252;ber eine Kopfh&#246;he von 1,54 m verf&#252;gte, so dass\neine erh&#246;hte Sturzgefahr bestand.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">3</span><p class=\"absatzLinks\">Am 10.1.1999 kam die Kl&#228;gerin auf der vorstehend beschriebenen\nTreppe zu Fall, als sie sich vom 1. Obergeschoss zum Erdgeschoss\nbegeben wollte. Bei dem Sturz zog sie sich ihrem Vorbringen nach\nerhebliche Verletzungen zu. Sie erlitt insbesondere einen\nMehrfragmentbruch des linken Oberarmknochenkopfes, der station&#228;re\nBehandlungen in der Zeit vom 14.1. bis zum 25.1. und vom 30.3. bis\nzum 10.4.1999 erforderlich machte.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">4</span><p class=\"absatzLinks\">Im vorliegenden Rechtsstreit hat die Kl&#228;gerin die Beklagten als\nGesamtschuldner auf Ersatz ihres materiellen unfallbedingten\nSchadens in H&#246;he von 5.743,92 DM und auf Zahlung eines\nSchmerzensgeldes von mindestens 75.000 DM in Anspruch genommen.\nAu&#223;erdem hat sie die Feststellung begehrt, dass die Beklagten\nverpflichtet sind, ihr s&#228;mtlichen weiteren materiellen und\nimmateriellen Schaden aufgrund des Unfalls vom 10.1.1999 zu\nersetzen.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">5</span><p class=\"absatzLinks\">Die Beklagten haben eine Schadensersatzverpflichtung zu ihren\nLasten nach Grund und H&#246;he in Abrede gestellt und Klageabweisung\nbeantragt.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">6</span><p class=\"absatzLinks\">Durch das angefochtene Urteil hat das Landgericht die Klage\nabgewiesen. Zur Begr&#252;ndung hat es im wesentlichen ausgef&#252;hrt:</p>\n<span class=\"absatzRechts\">7</span><p class=\"absatzLinks\">Aus dem Mietvertrag resultierende Anspr&#252;che der Kl&#228;gerin auf der\nGrundlage des &#167; 538 BGB seien ausgeschlossen, weil sie Kenntnis von\nder Beschaffenheit der Treppe gehabt habe, so dass &#167; 539 BGB zur\nAnwendung komme. Aufgrund der st&#228;ndigen Benutzung &#252;ber einen\nZeitraum von mehr als zwei Jahren sei ihr die unterschiedliche\nStufenbreite allenfalls infolge grober Fahrl&#228;ssigkeit unbekannt\ngeblieben. Gleichwohl habe sie den gefahrentr&#228;chtigen Zustand zu\nkeiner Zeit bem&#228;ngelt, sondern den Mietgebrauch vorbehaltlos\nfortgesetzt. Aus dem gleichen Grunde m&#252;sse sie sich ein derart\numfassendes Mitverschulden zurechnen lassen, dass auch eine Haftung\nder Beklagten aus unerlaubter Handlung nicht in Betracht komme.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">8</span><p class=\"absatzLinks\">Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung der Kl&#228;gerin, mit\nder sie unter Wiederholung und Erg&#228;nzung ihres erstinstanzlichen\nVorbringens ihr Klagebegehren unter Erh&#246;hung des Zahlungsanspruchs\nnach Ma&#223;gabe einer Haftungsquote von 75 % weiterverfolgt. Sie\nbeantragt,</p>\n<span class=\"absatzRechts\">9</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">unter Ab&#228;nderung des landgerichtlichen\nUrteils</p>\n<span class=\"absatzRechts\">10</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">1.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">11</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">die Beklagten als Gesamtschuldner zu\nverurteilen, an sie 11.172,43 DM zuz&#252;glich 4 % Zinsen seit dem 1.\nAugust 1999 zu zahlen;</p>\n<span class=\"absatzRechts\">12</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">2.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">13</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">die Beklagten als Gesamtschuldner zu\nverurteilen, an sie ein Schmerzensgeld, dessen H&#246;he in das Ermessen\ndes Senats gestellt wird, mindestens jedoch 56.250 DM zuz&#252;glich 4 %\nZinsen seit dem 10. November 1999 zu zahlen;</p>\n<span class=\"absatzRechts\">14</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">3.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">15</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">festzustellen, dass die Beklagten\nverpflichtet sind, ihr 75 % ihres materiellen und immateriellen\nSchadens zu ersetzen, soweit er nicht auf Sozialversicherungstr&#228;ger\noder sonstige Versicherungstr&#228;ger &#252;bergegangen ist.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">16</span><p class=\"absatzLinks\">Die Beklagten beantragen,</p>\n<span class=\"absatzRechts\">17</span><p class=\"absatzLinks\" style=\"margin-left:10px\">die Berufung der Kl&#228;gerin\nzur&#252;ckzuweisen.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">18</span><p class=\"absatzLinks\">Auch sie wiederholen und vertiefen ihr Vorbringen erster\nInstanz, dem das Landgericht zu Recht gefolgt sei.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">19</span><p class=\"absatzLinks\">Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird\nauf den Inhalt der vorbereitenden Schrifts&#228;tze der Parteien und die\nbei den Akten befindlichen schriftlichen Unterlagen Bezug\ngenommen.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">20</span><p class=\"absatzLinks\">Die Akten 7 OH 13/99 AG Neuss lagen vor und waren zu\nInformationszwecken Gegenstand der m&#252;ndlichen Verhandlung.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">21</span><p class=\"h2 absatzLinks\">E n t s c h e i d u n g s g r &#252; n d e :</p>\n<span class=\"absatzRechts\">22</span><p class=\"absatzLinks\">I.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">23</span><p class=\"absatzLinks\">Die zul&#228;ssige Berufung der Kl&#228;gerin ist sachlich nicht\ngerechtfertigt. Das Landgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen.\nAuch das zweitinstanzliche Vorbringen der Kl&#228;gerin rechtfertigt\nkeine f&#252;r sie g&#252;nstigere Entscheidung.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">24</span><p class=\"absatzLinks\">Der Kl&#228;gerin steht gegen&#252;ber dem Beklagten unter keinem\nrechtlichen Gesichtspunkt ein Schadensersatzanspruch zu, so dass\nweder ihren Zahlungsantr&#228;gen noch ihrem Feststellungsbegehren\nstattgegeben werden kann. Das Landgericht hat mit durchweg\nzutreffenden Erw&#228;gungen zu Recht angenommen, dass sowohl einer\nvertraglichen Haftung im Hinblick auf die Regelung des &#167; 539 BGB\nals auch deliktischen Anspr&#252;chen aus dem Gesichtspunkt mitwirkenden\nVerschuldens gem&#228;&#223; &#167; 254 BGB die Tatsache entgegensteht, dass die\nKl&#228;gerin die streitgegenst&#228;ndliche Treppe im Unfallzeitpunkt seit\nfast zwei Jahren t&#228;glich mehrmals benutzte, so dass ihr deren\nbauordnungswidriger Zustand, wie ihn der Sachverst&#228;ndige v. H.\nfestgestellt hat, allenfalls infolge grober Fahrl&#228;ssigkeit\nverborgen geblieben sein kann. Gleichwohl hat sie den Gebrauch\nvorbehaltlos fortgesetzt und nicht einmal in der ihr von der\nHausverwaltung aus Anlass des Todes des urspr&#252;nglichen Vermieters\nmit Schreiben vom 10.3.1998 &#252;bersandten M&#228;ngelliste (Bl. 64/65\nd.A.) einen diesbez&#252;glichen Vermerk eingetragen, so dass eine\nSchadensersatzverpflichtung der Beklagten nach &#167; 538 BGB nur unter\nden zweifelsfrei nicht vorliegenden Voraussetzungen der &#167;&#167; 460, 464\nBGB in Betracht k&#228;me. Aus dem gleichen Grunde m&#252;sste ein etwaiges\nVerschulden der Beklagten im Rahmen der ihnen obliegenden\nVerkehrssicherungspflicht hinsichtlich des Mietobjekts gegen&#252;ber\ndem weit &#252;berwiegenden Eigenverschulden der Kl&#228;gerin zur&#252;cktreten\n(so in vergleichbaren F&#228;llen auch OLG Koblenz VersR 1987, 125 =\nNJWE-MietR 1996, 13, OLG Hamm VersR 1978, 64 sowie 1997, 2000 und\nLG Hamburg ZMR 1999, 404 = DWW 1999, 150 = NZM 1999, 663 = WM 1999,\n364; vgl. auch OLG Hamm NJW-RR 2000, 695 = MDR 2158, das selbst\ndann ein Mitverschulden von immerhin 1/3 zu Lasten des Gesch&#228;digten\nangenommen hat, der innerhalb einer Gastst&#228;tte auf einer Treppe zu\nFall gekommen war, die er (lediglich) \"zumindest ein weiteres Mal\nbenutzt hatte\").</p>\n<span class=\"absatzRechts\">25</span><p class=\"absatzLinks\">Insgesamt ist das Landgericht demnach zu dem zutreffenden\nErgebnis gelangt, dass die Kl&#228;gerin die Folgen ihres bedauerlichen\nUnfalls nicht den Beklagten anlasten kann.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">26</span><p class=\"absatzLinks\">II.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">27</span><p class=\"absatzLinks\">Die Kostenentscheidung beruht auf &#167; 97 Abs. 1 ZPO.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">28</span><p class=\"absatzLinks\">Die Entscheidung zur vorl&#228;ufigen Vollstreckbarkeit folgt aus den\n&#167;&#167; 708 Nr. 10, 711 ZPO.</p>\n<span class=\"absatzRechts\">29</span><p class=\"absatzLinks\">Der Streitwert f&#252;r die Berufungsinstanz und die Beschwer der\nKl&#228;gerin werden auf jeweils 11.172,43 DM + 56.250 DM + 7.500 DM =\n74.922,43 DM festgesetzt.</p>\n      "
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