Urteil vom Amtsgericht Schwelm - 22 C 399/17
Tenor
Die Beklagte wird verurteilt, einen Betrag in Höhe von 1.600,00 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus 400,00 EUR seit dem 01.09.2017, aus 400,00 EUR seit dem 01.10.2017, aus 400,00 EUR seit dem 01.11.2017 und aus 400,00 EUR seit dem 01.12.2017 auf das Konto bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, Inhaber: S, zu zahlen.
Die Beklagte wird verurteilt, die Klägerin gegenüber den Rechtsanwälten L aus Schwerte von der Verbindlichkeit in Höhe von 255,85 EUR freizustellen.
Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte nach einem Streitwert von 1.600,00 EUR.
Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.
1
Tatbestand:
2Die Klägerin begehrt von der Beklagten Zahlungen aus einem Pferdeeinstellungsvertrag. Die Klägerin ist in einer Grundstückseigentümergemeinschaft mit Frau T zu je ½ Miteigentümerin der S in 58339 Breckerfeld. Die Beklagte schloss ausweislich des vorgelegten Vertrags (s. Anlage zum Protokoll vom 19.03.2018, Bl. 75 ff. d.A.) mit der „S“ einen Pferdeeinstellungsvertrag. Nach § 2 dieses Vertrages beträgt die Vergütung 400,00 EUR monatlich und ist im Voraus auf das Gemeinschaftskonto des Betriebs bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, Filiale Dortmund, Kto.-Nr. XXX, BLZ: 300 606 01, zu überweisen.
3Dieser Verpflichtung war die Beklagte bis einschließlich Juli 2017 nachgekommen. Seit Anfang August bis November 2017 blieben die Zahlungen auf dem Gemeinschaftskonto aus, stattdessen zahlte die Beklagte an T. Vorausgegangen war ein Schreiben der T, mit dem sie u.a. die Beklagte anwies, die Boxen-Miete zukünftig auf ihr persönliches Konto zu überweisen. Wegen des genauen Inhalts des Schreibens wird auf Bl. 45 d.A. Bezug genommen. Zuvor hatte die Klägerin mit Schreiben vom 12.05.2017 die Kündigung der GbR mit Frau T erklärt.
4Mit anwaltlichem Schreiben vom 08.08.2017 wurde die Beklagte erfolglos aufgefordert, die Zahlungen weiterhin auf das Gemeinschaftskonto zu leisten.
5Die Klägerin beantragt,
61. die Beklagte zu verurteilen, einen Betrag in Höhe von 1.600,00 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus 400,00 EUR seit dem 01.09.2017, aus 400,00 EUR seit dem 01.10.2017, aus 400,00 EUR seit dem 01.11.2017 und aus 400,00 EUR seit dem 01.12.2017 auf das Konto bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, Inhaber: S, IBAN DEXXX, zu zahlen;
72. die Beklagte zu verurteilen, die Klägerin gegenüber den Rechtsanwälten L aus Schwerte von der Verbindlichkeit in Höhe von 255,85 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 21.12.2017 freizustellen.
8Die Beklagte beantragt,
9die Klage abzuweisen.
10Die Beklagte behauptet, dass ein Vertrag zur Einstellung des Pferdes nur mit T geschlossen worden sei. Ausschließlich Frau T habe die Aufwendungen und Versorgungsleistungen für das Pferd der Beklagten erbracht.
11Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst zu den Akten gereichten Unterlagen Bezug genommen.
12Entscheidungsgründe:
13Die zulässige Klage ist überwiegend begründet.
14Die Klägerin hat gegenüber der Beklagten einen Anspruch auf Zahlung von 1.600,00 EUR an die Bruchteilsgemeinschaft aus § 743 BGB.
15Die Klägerin befindet sich nach Kündigung der GbR gemeinsam mit der Frau T jedenfalls in einer Bruchteilsgemeinschaft i.S.d. § 741 BGB, da beide zu je ½ Miteigentümer des Grundstücks Vorwerk 2 in Breckerfeld und damit der Reitsportanlage sind. Steht ein Recht mehreren gemeinschaftlich zu, so finden die Vorschriften der §§ 742 bis 758 BGB Anwendung. Nach § 742 Abs. 1 BGB gebührt jedem Teilhaber ein seinem Anteil entsprechender Bruchteil der Früchte. Zu diesen Früchten gehören auch Einnahmen aus einem Pferdeeinstellungsvertrag (vgl. zu Mieteinahmen: BeckOK BGB, 44. Aufl. 2017, § 743, Rn. 2). Insofern kann der einzelne Teilhaber jedoch nach § 432 BGB nur Leistung an die Gemeinschaft verlangen (BeckOK BGB, a.a.O.). Die Fruchtziehung obliegt der Gemeinschaft als Verwaltungsmaßnahme (§§ 744, 745 BGB) und eröffnet dem Teilhaber kein eigenes abgegrenztes, reales Fruchtziehungsrecht (BeckOK BGB, a.a.O., Rn. 3; Palandt, 77. Aufl. 2018, § 743, Rn. 2). Frau T durfte sich demnach nicht eigenmächtig ihren hälftigen Anteil überweisen lassen und erst Recht nicht den vollen Betrag. Erfüllungswirkung i.S.d. § 362 Abs. 1 BGB ist durch die Zahlungen der Beklagten an Frau T nicht eingetreten.
16Mit dem Einwand, es sei ausschließlich ein Vertrag mit Frau T geschlossen worden, kann die Beklagte nicht durchdringen. Dies widerspricht schon dem vorgelegten Vertragsdokument, aus dem sich als Vertragspartner die „S GbR“ und nicht Frau T ergibt.
17Auch ist für das Verhältnis der Parteien ohne Relevanz, in welchem Umfang die Klägerin oder die Frau T Aufwendungen und Leistungen im Hinblick auf die Versorgung des Pferdes der Beklagten erbracht haben. Dies hat lediglich Auswirkungen auf das Innenverhältnis zwischen den Teilhabern der Bruchteilsgemeinschaft bzw. den Gesellschaftern der gekündigten GbR.
18Der Zinsanspruch ergibt sich aus §§ 280, 286, 288 Abs. 1 BGB.
19Der Anspruch auf Freistellung hinsichtlich der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten folgt aus §§ 280, 286 BGB. Ein Zinsanspruch besteht im Hinblick auf den Freistellungsanspruch jedoch nicht.
20Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 Abs. 2 Nr. 1 ZPO.
21Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit findet ihre rechtliche Grundlage in § 709 S. 2, 3 ZPO.
22Die Streitwertfestsetzung fußt auf § 3 ZPO.
23Rechtsbehelfsbelehrung:
24A) Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung für jeden zulässig, der durch dieses Urteil in seinen Rechten benachteiligt ist,
251. wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 600,00 EUR übersteigt oder
262. wenn die Berufung in dem Urteil durch das Amtsgericht zugelassen worden ist.
27Die Berufung muss innerhalb einer Notfrist von einem Monat nach Zustellung dieses Urteils schriftlich bei dem Landgericht Hagen, Heinitzstr. 42, 58097 Hagen, eingegangen sein. Die Berufungsschrift muss die Bezeichnung des Urteils, gegen das die Berufung gerichtet wird, sowie die Erklärung, dass gegen dieses Urteil Berufung eingelegt werde, enthalten.
28Die Berufung ist, sofern nicht bereits in der Berufungsschrift erfolgt, binnen zwei Monaten nach Zustellung dieses Urteils schriftlich gegenüber dem Landgericht Hagen zu begründen.
29Die Parteien müssen sich vor dem Landgericht Hagen durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen, insbesondere müssen die Berufungs- und die Berufungsbegründungsschrift von einem solchen unterzeichnet sein.
30Mit der Berufungsschrift soll eine Ausfertigung oder beglaubigte Abschrift des angefochtenen Urteils vorgelegt werden.
31B) Gegen die Streitwertfestsetzung ist die Beschwerde an das Amtsgericht Schwelm statthaft, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 200,00 EUR übersteigt oder das Amtsgericht die Beschwerde zugelassen hat. Die Beschwerde ist spätestens innerhalb von sechs Monaten, nachdem die Entscheidung in der Hauptsache Rechtskraft erlangt oder das Verfahren sich anderweitig erledigt hat, bei dem Amtsgericht Schwelm, Schulstr. 5, 58332 Schwelm, schriftlich in deutscher Sprache oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle einzulegen. Die Beschwerde kann auch zur Niederschrift der Geschäftsstelle eines jeden Amtsgerichtes abgegeben werden.
32Ist der Streitwert später als einen Monat vor Ablauf dieser Frist festgesetzt worden, so kann die Beschwerde noch innerhalb eines Monats nach Zustellung oder formloser Mitteilung des Festsetzungsbeschlusses eingelegt werden.
Zitiert von
Bislang zitiert keine andere Entscheidung dieses Urteil.
Referenzen
- BGB § 743 Früchteanteil; Gebrauchsbefugnis 2x
- BGB § 741 Gemeinschaft nach Bruchteilen 1x
- BGB § 742 Gleiche Anteile 1x
- BGB § 744 Gemeinschaftliche Verwaltung 2x
- BGB § 745 Verwaltung und Benutzung durch Beschluss 2x
- BGB § 746 Wirkung gegen Sondernachfolger 1x
- BGB § 747 Verfügung über Anteil und gemeinschaftliche Gegenstände 1x
- BGB § 748 Lasten- und Kostentragung 1x
- BGB § 749 Aufhebungsanspruch 1x
- BGB § 750 Ausschluss der Aufhebung im Todesfall 1x
- BGB § 751 Ausschluss der Aufhebung und Sondernachfolger 1x
- BGB § 752 Teilung in Natur 1x
- BGB § 753 Teilung durch Verkauf 1x
- BGB § 754 Verkauf gemeinschaftlicher Forderungen 1x
- BGB § 755 Berichtigung einer Gesamtschuld 1x
- BGB § 756 Berichtigung einer Teilhaberschuld 1x
- BGB § 757 Gewährleistung bei Zuteilung an einen Teilhaber 1x
- BGB § 758 Unverjährbarkeit des Aufhebungsanspruchs 1x
- BGB § 432 Mehrere Gläubiger einer unteilbaren Leistung 1x
- BGB § 362 Erlöschen durch Leistung 1x
- BGB § 280 Schadensersatz wegen Pflichtverletzung 2x
- BGB § 286 Verzug des Schuldners 2x
- BGB § 288 Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden 1x
- ZPO § 92 Kosten bei teilweisem Obsiegen 1x
- ZPO § 709 Vorläufige Vollstreckbarkeit gegen Sicherheitsleistung 1x
- ZPO § 3 Wertfestsetzung nach freiem Ermessen 1x