Beschluss vom Oberlandesgericht Rostock (Strafsenat) - Ws 9/14
Tenor
Die sofortige Beschwerde wird als unbegründet verworfen.
Der Verurteilte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
I.
1.
- 1
Das Landgericht Schwerin verurteilte den Beschwerdeführer am 15.05.2007 - 32 KLs 2/07 - wegen vorsätzlicher Körperverletzung unter Einbeziehung der Freiheitsstrafe aus dem Urteil des Amtsgerichts Schwerin vom 27.06.2006 - 32 Ds 45/06 - zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie wegen vorsätzlicher Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Ferner ordnete es die Unterbringung des Verurteilten in der Sicherungsverwahrung an.
2.
- 2
Dieser Entscheidung waren unter anderem folgende Verurteilungen vorausgegangen:
- 3
(wird ausgeführt)
3.
- 4
In vorliegender Sache wurde der Verurteilte am 07.09.2006 festgenommen und befand sich anschließend bis zu der am 02.04.2008 eingetretenen Rechtskraft des Urteils vom 15.05.2007 in Untersuchungshaft.
- 5
Die formellen Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung nach § 66 Abs. 1 Nr. 1 und 2 StGB a.F. sah das Landgericht in den oben unter 2 a) und d) erwähnten Vorverurteilungen. Der Hang des Verurteilten zur Begehung erheblicher Straftaten, durch die die Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt würden, weshalb er für die Allgemeinheit gefährlich sei, beruht nach den Ausführungen der dazu gehörten forensisch-psychiatrischen und psychologisch-forensischen Sachverständigen, denen sich die Kammer angeschlossen hat, auf einer durch ... gekennzeichneten dissozialen Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F60.2) in Kombination mit Alkoholmissbrauch (ICD 10: F10.1). Hinzu komme in der Regel das Fehlen hemmender Einflüsse aus Angst und Schuldgefühlen.
- 6
In den durchgeführten testpsychologischen Untersuchungen zur Verifizierung der Rückfallgefahr (PCL-R) erreichte der Verurteilte mit 34 Punkten einen überaus hohen Psychopathie-Score. Der HCR-20 Test zur Bestimmung des spezifischen Risikos von Gewalttätigkeit ergab ebenfalls in nahezu allen Parametern eine deutlich erhöhte Rückfallgefahr für Gewalttaten. Gleiches belegten die Untersuchung nach den Kriterienlisten von Dittmann bzw. Habermann und Sass.
4.
- 7
Die Vollstreckung der beiden Gesamtfreiheitsstrafen aus der Anlassverurteilung war am 06.06.2012 vollständig erledigt. Mit Wirkung vom 07.06.2012 wurde der Verurteilte in Sicherungsverwahrung überführt, obwohl die Prüfung nach § 67c Abs. 1 StGB infolge justizinterner Versäumnisse unterblieben war.
- 8
Den damit begründeten Antrag des Verurteilten auf sofortige Unterbrechung der Vollstreckung der Sicherungsverwahrung und Entlassung aus derselben wies die Staatsanwaltschaft Schwerin mit Bescheid vom 13.07.2012 zurück. Auf die hiergegen vom Verurteilten nach § 458 Abs. 2 StPO erhobenen Einwendungen hob das Landgericht Rostock mit Beschluss vom 16.07.2012 die Entscheidung der Staatsanwaltschaft auf, erklärte die Vollstreckung der Sicherungsverwahrung für derzeit unzulässig und ordnete deren Unterbrechung bis zum Abschluss des nach § 67c Abs. 1 StGB vorgeschriebenen Prüfungsverfahrens an. Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft hat der Senat mit Beschluss vom 18.07.2012 - I Ws 224/12 - als unbegründet verworfen. Der Verurteilte ist am 16.07.2012 aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden.
- 9
Mit Beschluss vom 24.07.2012 bestimmte das Landgericht Rostock die Dauer der nach § 68f Abs. 1 StGB eingetretenen Führungsaufsicht auf fünf Jahre, unterstellte den Verurteilten für die Dauer der Maßregel der Aufsicht und Leitung eines Bewährungshelfers und wies ihn an, jede Änderung seiner Anschrift sowohl der Bewährungshilfe wie auch dem Gericht mitzuteilen, regelmäßig, zunächst mindestens einmal wöchentlich, persönlich zum Gespräch bei der Bewährungshilfe zu erscheinen und seinen Aufenthaltsort S. nicht ohne vorherige Erlaubnis der Aufsichtsstelle für mehr als 48 Stunden zu verlassen. Ferner wurde dem Verurteilten auferlegt, weder Alkohol noch andere Rauschmittel zu konsumieren, sich zur Kontrolle seiner Abstinenz jeweils Montag- und Donnerstagvormittag bei einem bestimmten Polizeirevier in S. einem Atemalkoholtest zu unterziehen und dessen Ergebnis unverzüglich der Bewährungshilfe zu übermitteln bzw. von der Polizei übermitteln zu lassen, sowie ab dem 02.08.2012 alle zwei Wochen eine bestimmte Sucht- und Drogenberatungsstelle in S. zum Zwecke der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen aufzusuchen, sich diese Besuche schriftlich bestätigen zu lassen und diese Bestätigungen unverzüglich der Bewährungshilfe zu übermitteln bzw. übermitteln zu lassen. Weiterhin wurde dem Verurteilten aufgegeben, sich einmal wöchentlich zur Inanspruchnahme von Beratungsleistungen bei der Forensischen Ambulanz vorzustellen, nach Weisung der Bewährungshilfe an einem Anti-Gewalt-Training teilzunehmen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos und arbeitssuchend zu melden.
5.
- 10
Nach Abschluss des nachgeholten Überprüfungsverfahrens setzte das Landgericht Rostock mit seit dem 16.10.2012 rechtskräftigen Beschluss vom 28.09.2012 die Vollstreckung der Sicherungsverwahrung aus dem Urteil des Landgerichts Schwerin vom 15.05.2007 zur Bewährung aus, stellte den Eintritt der Führungsaufsicht fest und bestimmte deren Dauer auf fünf Jahre. Es unterstellte den Verurteilten erneut der Aufsicht und Leitung einer Bewährungshelferin und wies ihn an, in einer eigenen, nicht gemeinsam mit der Geschädigten A.W. bewohnten Wohnung zu leben, jede Änderung seiner Anschrift während der Dauer der Führungsaufsicht der Bewährungshilfe und der Strafvollstreckungskammer mitzuteilen, mindestens einmal monatlich persönlich zum Gespräch bei der Bewährungshilfe zu erscheinen, weder Alkohol noch andere Rauschmittel zu konsumieren, sich jeden Donnerstagvormittag auf einem bestimmten Polizeirevier in S. einem Atemalkoholtest zu unterziehen, sich dessen Ergebnis bestätigen zu lassen und es unverzüglich der Bewährungshilfe zu übermitteln bzw. von der Polizei übermitteln zu lassen. Ferner habe der Verurteilte alle zwei Wochen eine bestimmte Sucht- und Drogenberatungsstelle in S. zum Zwecke der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen aufzusuchen, sich diese Besuche schriftlich bestätigen zu lassen und diese Bestätigungen unverzüglich der Bewährungshilfe zu übermitteln bzw. übermitteln zu lassen. Weiterhin habe der Verurteilte sich einmal monatlich der Forensischen Ambulanz zum Zwecke der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen vorzustellen. Die Belehrung über die Bedeutung der Führungsaufsicht und die Folgen von Weisungsverstößen wurde dem Amtsgericht Schwerin übertragen und dort am 15.11.2012 zu Protokoll durchgeführt.
6.
- 11
Am 10.01.2013 teilte der Verurteilte seiner Bewährungshelferin telefonisch mit, der an diesem Vormittag bei ihm durchgeführte Atemalkoholtest habe einen Wert von 1,54 Promille ergeben. Er habe am Vorabend und in der Nacht aus Anlass des Geburtstages seines Sohnes mit Freunden gefeiert und dabei Alkohol getrunken. Die Polizeidienststelle teilte für die am 10.01.2013 durchgeführte Atemalkoholkontrolle einen Wert von 1,41 Promille mit. Der Verurteilte wurde daraufhin von seiner Bewährungshelferin am 14.01.2013 zu einem Gespräch einbestellt, in dessen Verlauf er nochmals den Weisungsverstoß einräumte. Zugleich gestand er bei dieser Gelegenheit ein, bislang noch nicht an der ihm auferlegten Suchtberatung teilgenommen zu haben, gelobte jedoch auch insoweit Besserung.
7.
- 12
Auf Anregung der Führungsaufsichtsstelle beantragte die Staatsanwaltschaft Schwerin bei der Strafvollstreckungskammer die Abänderung der Weisung zur Durchführung der Alkoholkontrollen dahingehend, dass diese nunmehr über einen Zeitraum von drei Monaten alle zwei Tage stattfinden sollten. Das Landgericht Rostock änderte daraufhin mit Beschluss vom 07.03.2013 die entsprechende Weisung dahin ab, dass der Verurteilte sich ab sofort und bis zum 15.05.2013 jeden Montag und Donnerstag vormittags bei einer bestimmten Polizeidienststelle in Schwerin einem Atemalkoholtest unterziehen und dies sowie das Ergebnis unverzüglich der Bewährungshilfe mitteilen oder durch die Polizei mitteilen lassen müsse.
8.
- 13
Am späten Abend des 26.03.2013 wurde der randalierende Verurteilte von der wegen seines ruhestörenden Lärms herbeigerufenen Polizei vor der Wohnung seiner Lebensgefährtin A.W. in S. in stark alkoholisiertem Zustand angetroffen. Der bei ihm 27.03.2013 um 01:12 Uhr durchgeführte Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,73 Promille. Nachdem seitens der Führungsaufsichtsstelle deswegen unter dem 07.06.2013 Strafantrag gestellt worden war, leitete die Staatsanwaltschaft Schwerin unter dem Aktenzeichen 256 Js 14677/13 ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht gegen den Verurteilten ein. In seiner polizeilichen Vernehmung vom 30.04.2013 gab der Verurteilte an, sich aus Verärgerung darüber, dass ihn seine Lebensgefährtin W. nicht in ihre Wohnung eingelassen habe, aus der er sich einige Unterlagen und eine Winterjacke holen wollte, zu einem "Kumpel" begeben und dort "irgendetwas Hochprozentiges" getrunken zu haben, weil ihm "schweinekalt" gewesen sei. Es könne sich um Whisky gehandelt haben.
- 14
Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat wegen dieses Weisungsverstoßes unter dem 27.06.2013 Anklage gegen den Verurteilten zum Amtsgericht Schwerin erhoben (256 Js 14677/13), die am 25.11.2013 zu seiner - nicht rechtskräftigen - Verurteilung nach § 145a StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Monaten geführt hat (37 Ds 555/13). Ferner beantragte die Staatsanwaltschaft Schwerin bei der Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Rostock den Widerruf der Aussetzung der Vollstreckung der Sicherungsverwahrung zur Bewährung.
9.
- 15
Auf Anregung der Führungsaufsichtsstelle und entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft ergänzte das Landgericht Rostock mit Beschluss vom 19.06.2013 die Weisung zur Durchführung von Abstinenzkontrollen dahin, dass der Verurteilte ab sofort und bis zum 31.07.2013 nach Aufforderung und näherer Weisung durch die Forensische Ambulanz wöchentlich zweimal eine Urinprobe abgeben und diese auf Kosten der Staatskasse durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Rostock zur Bestimmung des ETG-Wertes untersuchen lassen müsse. Erbringe dies den Nachweis seiner Alkoholabstinenz, müsste diese Kontrolle ab dem 01.08.2013 nur noch einmal monatlich durchgeführt werden.
- 16
Mit weiterem Beschluss vom 27.08.2013 präzisierte und variierte die Strafvollstreckungskammer die nämliche Weisung nochmals dahin, dass die Urinproben unter Sichtkontrolle abgegeben werden müssten. Der intensivierte Kontrollzeitraum wurde auf die Zeit zwischen dem 02.09. und dem 11.10.2013 festgelegt.
- 17
Im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft wurde die Entscheidung über den Widerrufsantrag bis zum Ende des Kontrollzeitraums zurückgestellt.
10.
- 18
Unter dem 03.07.2013 berichtete die Forensische Ambulanz des Landesamtes für ambulante Straffälligenhilfe "aus besonderem Anlass", der Verurteilte habe bislang - ausgenommen zwei Termine, für die er sich entschuldigt habe - an den monatlichen Beratungsgesprächen teilgenommen, habe dabei aber nur einen vordergründig aufgeschlossenen und interessierten Eindruck hinterlassen. Er wirke nicht authentisch offen und zeige wenig Interesse an einer Aufarbeitung seiner früheren Straffälligkeit. Selbst alltägliche Probleme verneine er durchgängig. Seine Beziehung zu Frau W. sei nach eigenen Angaben gut, seinem Sohn sei er ein guter und stolzer Vater. Bei Nachfragen verwickele er sich dann aber schnell in Widersprüche. Eine Alkoholabhängigkeit verneine er trotz der ihm vorgehaltenen Ergebnisse der früheren Begutachtungen und der beiden nachgewiesenen Rückfälle hartnäckig. Er habe damit keine Probleme. Der Verzicht auf Alkohol sei für ihn quasi selbstverständlich. Ernsthafte Bemühungen um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit habe der Proband bisher nicht entfaltet. Die Verantwortung dafür, weiterhin beschäftigungslos und auf Sozialleistungen angewiesen zu sein, schiebe er auf das Job-Center. Er habe angegeben, seit April 2013 eine eigene Wohnung in Stadtteil G. D. in S. zu haben.
- 19
Aus psychologischer Sicht sei weiterhin kein wirkliches Problembewusstsein und keine Störungseinsicht vorhanden. Die während der Strafhaft durchgeführten spezifischen Therapiemaßnahmen seien ohne nachhaltigen Effekt geblieben. Auf Vorhalte zu seinen abgeurteilten Taten reagiere der Proband tendenziell uneinsichtig. Er fühle sich von der Justiz ungerecht behandelt und gegängelt. Seine Anpassungsleistungen im Rahmen der Führungsaufsicht beschränkten sich darauf, den erteilten Auflagen und Weisungen formal nachzukommen, um eine sonst drohende Inhaftierung zu vermeiden. An einer wirklichen Aufarbeitung seiner früheren Probleme zur Vermeidung von einschlägigen Rückfalltaten sei er dagegen nicht interessiert.
- 20
Entsprechende Hinweise und Beurteilungen finden sich in dem Vermerk über die am 10.07.2013 über den Verurteilten durchgeführte Fallkonferenz, die deshalb mit Schreiben vom 11.07.2013 eine neuerliche Anpassung der Auflagen und Weisungen für die Führungsaufsicht anregte.
11.
- 21
Am 13.10.2013 wandte sich Frau W. per SMS hilfesuchend an den Bewährungshelfer und bat dringlich um die Durchführung eines Drogentests bei dem Verurteilten, weil dieser "seid langem wieder was nimmt und auch Alkohol trinkt". Er sei auch wieder handgreiflich gegen sie und den gemeinsamen Sohn geworden. Derzeit "hängt (er) mit h. g. und mit anderen Leuten zusammen beim asia bistro und ist am Trinken und feiern".
12.
- 22
Am 21.10.2013 wandte sich die Lebensgefährtin des Verurteilten erneut telefonisch an den Bewährungshelfer und teilte ihm ergänzend zu ihrer SMS vom 13.10.2013 mit, der Beschwerdeführer konsumiere nach wie vor Alkohol und Drogen ("Rasen", "Dope" und "was man durch die Nase zieht"). Er würde nach ihrem Eindruck auch mit Drogen handeln. Zur letzten Urinprobe bei der Polizei sei er nicht erschienen, weil er nach eigenen Angaben nach vorausgegangenem Alkoholkonsum "voll wie ein Pisspott" gewesen sei. Sie selbst hätte ihn auch schon beim Drehen einer "Jolle" (eines Haschisch-Joints) gesehen. Von ihr auf diese Weisungsverstöße angesprochen, habe er sie und auch den gemeinsamen Sohn wiederholt geschlagen. Dies auch, als er von ihrer SMS vom 13.10.2013 erfahren habe. Der ans Telefon geholte Sohn des Verurteilten bestätigte gegenüber dem Bewährungshelfer ebenfalls, von seinem Vater geschlagen worden zu sein.
13.
- 23
Der Verurteilte wurde wegen des sich aus den Mitteilungen vom 13. und 21.10.2013 ergebenden Verdachts eines neuerlichen Weisungsverstoßes am 22.10.2013 von seinem Bewährungshelfer einbestellt und mit den Vorwürfen konfrontiert. Er stritt dabei ab, Alkohol oder Drogen konsumiert zu haben. In der ihm abverlangten Urinprobe konnten jedoch Spuren eines vorausgegangenen Konsums von Amfetamin und Cannabis-Produkten nachgewiesen werden. Nach Mitteilung der betreffenden Polizeidienststelle war der Verurteilte dort seit dem 09.10.2013 auch nicht mehr zur Abgabe von Urinproben erschienen.
- 24
Die Führungsaufsichtsstelle stellte wegen dieser Weisungsverstöße unter dem 25.10.2013 erneut Strafantrag gegen den Verurteilten.
- 25
Die Staatsanwaltschaft Schwerin leitete aufgrund dieser Erkenntnisse drei weitere Ermittlungsverfahren gegen den Verurteilten wegen Verdachts der Körperverletzung z.N. von A.W. (255 Js 29055/13), z.N. des gemeinsamen Sohnes (253 Js 29057/13) und wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (136 Js 29062/13) ein.
14.
- 26
In den elf in der Zeit zwischen dem 09.09. und 16.10.2013 erlangten Urinproben des Verurteilten konnten in drei Fällen ETG-Werte von 1242, 171 und 306 ng/ml nachgewiesen werden, was nach sachverständiger Bewertung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Greifswald jeweils für eine kurzfristig zum Probenentnahmezeitpunkt stattgefundene Alkoholaufnahme und gegen eine Alkoholabstinenz spricht.
15.
- 27
Wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sollte am 20.11.2013 die Wohnung Nr. xxx des Verurteilten unter der von ihm angegebenen Anschrift ... von der Polizei nach Beweismitteln durchsucht werden. Die Beamten fanden die unverschlossene Wohnung jedoch völlig leer und unbewohnt vor. Eine beim Bruder des Verurteilten gehaltene Nachfrage ergab, dass er sich wahrscheinlich in der Wohnung seiner Lebensgefährtin A.W. aufhalte.
16.
- 28
Wegen des Verstoßes gegen die ihm erteilte Auflage, in einer eigenen, nicht gemeinsam mit der Geschädigten A.W. bewohnten Wohnung zu leben, stellte die Führungsaufsichtsstelle unter dem 20.11.2013 nochmals Strafantrag gegen den Verurteilten.
17.
- 29
Bei seiner mündlichen Anhörung durch die Strafvollstreckungskammer am 21.11.2013 gab der Verurteilte an, er wohne nicht bei Frau W. Zwar wolle diese mit ihm zusammen sein, er wolle dies jedoch nicht. Darauf angesprochen, warum dann gleichwohl in der Wohnung von Frau W. ihm gehörende Kleidungsstücke und an ihn gerichtete Post gefunden worden seien, räumte der Verurteilte ein, sich "gelegentlich" dort aufzuhalten, dies auch deshalb, um sich um den gemeinsamen Sohn zu kümmern, wenn Frau W. bei der Arbeit sei. Wenn er seine Kleidung dort abhole, "wäre der nächste Stress mit ihr vorprogrammiert". In seiner eigenen Wohnung habe es vor einigen Wochen einen Wasserschaden gegeben, weshalb er diese vollständig habe räumen müssen. Seither wohne er bei einem Freund (H. G.). Auf die nachgewiesenen Alkoholverstöße vom 09./10.01.2012 (oben I.6) und vom 27.03.2013 (oben I.8) angesprochen, erklärte der Verurteilte, dass sei "kein Vorsatz" von ihm gewesen. Zum Ergebnis der Urinuntersuchung vom 22.10.2013 (oben I.13) gab der Verurteilte keine Erklärung ab. Er habe zuletzt im Oktober 2013 Alkohol getrunken, zwei oder drei kleine Flaschen "Breezer", weil er Streit mit Frau W. gehabt hätte. Er habe nicht mehr drüber nachgedacht.
- 30
Der im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den Verurteilten wegen Verstoßes gegen die Weisungen zur Führungsaufsicht vernommene Zeuge H. G. hat am 21.11.2013 bei der Polizei angegeben, der Beschwerdeführer wohne zwar nicht bei ihm, halte sich aber vier bis fünf Tage in der Woche bei ihm auf. Auf den Vorhalt der Polizei, dass sich dann ja bestimmt Kleidung oder Waschsachen des Verurteilten in seiner - G.s - Wohnung befänden, behauptete der Zeuge, der Verurteilte habe sein Waschzeug "wohl mitgenommen". Von dem Zeugen vorgezeigte Kleidungsstücke, die angeblich dem Verurteilten gehören sollten, wurden von der Freundin des Zeugen als dessen - G.s - Kleidung bezeichnet, die sie ihm selbst geschenkt habe. Daraufhin räumte der Zeuge ein, dass alle in der Wohnung vorhandenen männlichen Bekleidungsstücke die seinen seien. Auch halte sich der Verurteilte nur gelegentlich zu Besuch bei ihm auf und übernachte dann auch manchmal bei ihm. Soweit er wisse, schlafe der Verurteilte "gelegentlich" auch bei seiner früheren Lebensgefährtin (Anja W.). Der Verurteilte habe ihn - G. - gebeten, bei etwaigen Nachfragen der Polizei zu bestätigen, dass er bei ihm wohne.
18.
- 31
Die 1. Große Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Rostock hat bei diesem Erkenntnisstand mit Beschluss vom 21.11.2013 die Aussetzung der Vollstreckung der Sicherungsverwahrung zur Bewährung widerrufen.
- 32
Gegen diese, seiner Verteidigerin am 26.11.2013 zugestellte Entscheidung wendet sich der Verurteilte mit der sofortigen Beschwerde im Schriftsatz seiner Rechtsanwältin vom 02.12.2013, der am selben Tag beim Landgericht eingegangen ist. Das Rechtsmittel ist nachfolgend mit Schreiben vom 06.01.2014 weiter begründet worden.
- 33
Die Generalstaatsanwaltschaft hat in ihren Zuschriften vom 09. und 20.01.2014 auf die Verwerfung der sofortigen Beschwerde als unbegründet angetragen. Hierauf hat die Verteidigerin mit Schreiben vom 21. und 29.01.2014 erwidert.
19.
- 34
Das Amtsgericht Schwerin hat am 22.11.2013 im Verfahren 256 Js 30514/13 der Staatsanwaltschaft Schwerin Haftbefehl gegen den Verurteilten wegen des dringenden Verdachts des Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht erlassen, der am selben Tag vollzogen worden ist. Der Verurteilte befindet sich seither für jenes Verfahren in Untersuchungshaft in der JVA Bützow. Unter dem 13.01.2014 ist Anklage gegen ihn zum Amtsgericht Schwerin wegen der vorstehend unter I.14 - I.17 beschriebenen Weisungsverstöße erhoben worden.
II.
- 35
Die sofortige Beschwerde des Verurteilten gegen den nach § 67g StGB ergangenen Widerrufsbeschluss des Landgerichts Rostock ist gemäß § 463 Abs. 6 i.V.m. § 462 Abs. 3 Satz 1 StPO statthaft und zulässig, insbesondere wurde sie form- und fristgemäß eingelegt (§ 306 Abs. 1, § 311 Abs. 2 StPO). Das Rechtsmittel bleibt ohne Erfolg.
1.
- 36
Nachdem die Sicherungsverwahrung, um deren (weitere) Vollstreckung es hier geht, mit vor dem 01.01.2011 rechtskräftig gewordenen Urteil des Landgerichts Schwerin vom 15.05.2007 angeordnet worden ist, war zunächst nach Art. 316e Abs. 3 Satz 1 EGStGB von Amts wegen zu prüfen, ob die Maßnahme nicht deshalb zwingend für erledigt zu erklären ist, weil die Anordnung ausschließlich auf Taten beruht, die nach § 66 StGB in der seit dem 01.01.2011 geltenden Fassung nicht mehr Grundlage für eine solche Anordnung sein könnten (vgl. BGH, Beschluss vom 25. April 2012 - 5 StR 451/11 - = BGHSt 57, 218 = NJW 2012, 1824, zitiert nach Rdz. 33 in juris). In diesem Fall käme auch ein Widerruf der Aussetzung des Maßregelvollzugs zur Bewährung nicht mehr in Betracht. Dabei erfolgt jedoch lediglich eine Prüfung der Anlasstaten anhand der in § 66 StGB n.F. normierten formellen Voraussetzungen einer Sicherungsverwahrung. Für die Feststellung, ob eine nach "altem" Recht angeordnete Sicherungsverwahrung nach Art. 316e Abs. 3 EGStGB erledigt ist oder nicht, reicht es aus, dass eine von mehreren Anlasstaten auch eine "neue" Katalogtat nach § 66 StGB n.F. ist, und dass - dies jedoch nur in den Fällen von § 66 Abs. 1 StGB n.F. - von zwei qualifizierten Vorverurteilungen eine auf einer solchen "neuen" Katalogtat beruht und dass nur wegen dieser Katalog-Vorverurteilung eine Freiheitsstrafe oder eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren vollstreckt worden ist (vgl. Pollähne, ZJS 2011, 219; so auch BGH a.a.O. Rdz. 15, 25 in juris unter Hinweis auf die Gesetzesmaterialien).
- 37
Vorliegend ergibt diese Prüfung, dass sich aus der Anlassverurteilung die formellen Voraussetzungen für die Anordnung von Sicherungsverwahrung jedenfalls nach § 66 Abs. 2 StGB in der ab dem 01.11.2011 geltenden Fassung ergeben, weshalb es weder auf die damals zur Begründung nach § 66 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 StGB a.F. herangezogenen Vorverurteilungen des Beschwerdeführers noch auf die von ihm zuvor verbüßten Freiheitsstrafen ankommt:
a)
- 38
Das Landgericht Schwerin hat den Beschwerdeführer im Fall II. B. 1 der Urteilsgründe (= Ziffer 2 der Anklage) wegen vorsätzlicher Körperverletzung und damit wegen einer Katalogtat nach § 66 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 a) StGB n.F. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt.
b)
- 39
Im Fall II. B. 2 der Urteilsgründe (= Ziff. 4 der Anklage) verurteilte es ihn wegen gefährlicher Körperverletzung, also wegen einer weiteren Tat gegen die körperliche Unversehrtheit, zu einer Einsatzstrafe vom drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.
c)
- 40
Schließlich verhängte das Landgericht im Fall II. B. 3 der Urteilsgründe (= Ziff. 5 der Anklage) wegen vorsätzlicher Körperverletzung nochmals eine Freiheitsstrafe von einem Jahr als Einzelstrafe gegen den Beschwerdeführer.
2.
- 41
Die Voraussetzungen des § 67g Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB für den Widerruf der Aussetzung der Unterbringung des Verurteilten in der Sicherungsverwahrung liegen vor.
a)
- 42
Der Verurteilte hat während des Laufes der Bewährungszeit nachweislich in sechs Fällen gegen die ihm erteilte Weisung verstoßen, keinen Alkohol oder andere Rauschmittel zu konsumieren (vgl. oben unter I.6, I.8, I.13 und I.14), das erste Mal nur knapp drei Monate nach Erlass des Bewährungsbeschlusses und danach mit zunehmender Frequenz und dies trotz sukzessiv angeordneter Erhöhung der Kontrolldichte und -qualität und selbst dann noch, als die Staatsanwaltschaft bereits Anklage erhoben und den Widerrufsantrag gestellt hatte (oben I. 8). In einem weiteren Fall konnte der Konsum von Amfetamin und Cannabis-Produkten nachgewiesen werden (oben I.13). Auch ist der Verurteilte wiederholt nicht zu den angeordneten Alkoholkontrollen bei der Polizei erscheinen (oben I.12, I.13).
b)
- 43
Der Verurteilte hat auch die Weisung ignoriert, nicht mit seiner Lebensgefährtin A.W. in einer gemeinsamen Wohnung zu leben.
aa)
- 44
Diese Weisung ist entgegen der Ansicht der Verteidigung nach § 68b Abs. 1 Satz 1 Nrn. 2 und 3 StGB zulässig. Das Verbot diente dem Opferschutz. Es sollte verhindert werden, dass der Verurteilte erneut - wie in der Anlassverurteilung festgestellt - gewalttätig gegen seine Lebensgefährtin würde.
- 45
Dass es sich bei dieser um die alleinerziehende Mutter des gemeinsamen Kindes handelt, steht diesem Kontaktverbot nicht entgegen, selbst wenn dadurch der Umgang des Verurteilten mit dem gemeinsamen Kind erschwert worden wäre. Ein unmittelbarer Eingriff in das auch dem Verurteilten zustehende Elternrecht (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG) ist mit der Weisung nicht erfolgt (vgl. OLG Bamberg NJW 2011, 2151; Rdz. 12 f. in juris). Die nichteheliche Lebensgemeinschaft des Verurteilten mit Frau W., bei der es sich um eine rechtlich ungebundene Partnerschaft handelt, unterfällt für sich genommen nicht dem Eheschutz des Art. 6 Abs. 1 GG (vgl. BVerfG, Beschluss vom 09. November 2004 - 1 BvR 684/98 -, BVerfGE 112, 50-74, Rdz. 49 in juris m.w.N.).
bb)
- 46
Bei seiner (vorläufigen) Entlassung aus der Sicherungsverwahrung hat der Verurteilte die Adresse seiner Lebensgefährtin als Entlassungsanschrift angeben. Diese soll ihn auch aus der JVA abgeholt haben. Bei seiner Anhörung vor der Strafvollstreckungskammer am 29.08.2012 hat sich der Verurteilte u.a. zu den Aspekten seines neuerlichen - ihm damals noch nicht untersagten - Zusammenlebens mit Frau W. geäußert. Auf die schon bei dieser Gelegenheit vom Gericht dagegen geäußerten erheblichen Bedenken hat der Verurteilte erklärt, sich sowieso eine eigene Wohnung suchen zu wollen. Die Kammer hat daraufhin die Entscheidung über die Aussetzung der Maßregel zur Bewährung eigens um einen Monat zurückgestellt, um dem Verurteilten hierzu Gelegenheit zu geben. Der Verurteilte hat dann zwar die Wohnung Nr. xxx im Anwesen ... in S. erhalten, deren Miete vom Sozialamt bezahlt wurde. Er hat sich dort auch polizeilich angemeldet und diese Anschrift seiner Bewährungshelferin mitgeteilt. Tatsächlich ist er jedoch nie in diese Wohnung eingezogen (vgl. oben I.15 - I.17), sondern er hat weiterhin, jedenfalls überwiegend, bei Frau W. gewohnt, wo sowohl seine Bekleidung wie auch sein Waschzeug und seine Post gefunden werden konnten. Dort hat er unter anderem auf den gemeinsamen Sohn aufgepasst, während Frau W. ihrer Arbeit nachging. Dort ist es auch wiederholt zur neuen Streitigkeiten zwischen den Partnern gekommen, was für Frau W. mehrmals Anlass gewesen ist, sich hilfesuchend an die Polizei und an den Bewährungshelfer zu wenden (oben I.11, I.12, I.17). Vom Landgericht dazu angehört, hat der Verurteilte wahrheitswidrig behauptet, die Wohnung in der Z.straße nur wegen eines Wasserschadens komplett geräumt und dann zu seinem Bekannten H. G. gezogen zu sein. Diese Darstellung ist von H. G. zunächst zeugenschaftlich bestätigt worden, hat sich auf weiteres Nachfragen dann aber als bloße Schutzbehauptung herausgestellt.
c)
- 47
Der Verurteilte hat nach dem Vorgesagten gröblich und beharrlich gegen die beiden wichtigsten, ihm im Rahmen der Führungsaufsicht erteilten Auflagen und Weisungen verstoßen.
- 48
Die besondere Bedeutung der ihm erteilten Weisungen, keinen Alkohol und keine anderen Drogen zu konsumieren und nicht wieder mit Frau W. in einer gemeinsamen Wohnung zusammenzuleben, ist dem Verurteilten anlässlich der ihm erteilten Belehrung über die Folgen von Weisungsverstößen nachdrücklich vor Augen geführt worden. Sie ergibt sich zudem unmittelbar aus dem Bewährungsbeschluss. Durch seine im Belehrungsprotokoll festgehaltene Reaktion hat der Beschwerdeführer auch zu erkennen gegeben, dass er diese Hinweise gerade in Bezug auf ihren Anlass verstanden und sich - zumindest vordergründig - davon beeindruckt gezeigt hat. Gleichwohl hat er sich in der Folgezeit trotz engmaschiger Kontrolle durch die Führungsaufsichtsstelle, seinen Bewährungshelfer und die Angebote der forensischen Ambulanz nicht daran gehalten, sondern ist wieder in alte strafrechtlich relevante und hochgefährliche Verhaltensweisen zurückgefallen.
aa)
- 49
Er hat ungeachtet der ihm aus den Begutachtungen und aus der Anlassverurteilung bekannten Tatsache, dass er nur "trockener Alkoholiker" ist, und dass der Konsum von Alkohol einer der wesentlichen konstellativen Faktoren bei der Begehung der früheren Gewaltstraftaten gewesen ist, bereits kurze Zeit nach der Entlassung aus der Sicherungsverwahrung, die er letztlich nur einem Versäumnis der Justiz zu verdanken hatte, aus nichtigem Anlass heraus wieder mit dem Konsum von Alkohol begonnen und diesen seither auch dann noch wider besseres Wissen mit zunehmender Frequenz fortgesetzt, als er von seinem Bewährungshelfer zur Rede gestellt und bereits Strafanträge wegen dieser Weisungsverstöße gegen ihn gestellt worden waren. Selbst durch drastische Verschärfungen der Abstinenzkontrollen hat sich der Beschwerdeführer nicht beeindrucken lassen, sondern er hat zumindest in einem Fall auch noch illegale Drogen konsumiert.
bb)
- 50
Auch der Verstoß gegen die Weisung, nicht mit seiner Lebensgefährtin A.W. in einer gemeinsamen Wohnung zu wohnen, wiegt besonders schwer. Frau W. ist ausweislich der Gründe der Anlassverurteilung in zwei Fällen jeweils aus Anlass von Streitigkeiten, bei denen der Beschwerdeführer unter Alkohol stand, Opfer von Messerattacken geworden. In einem Fall fügte der Verurteilte seiner Lebensgefährtin eine Schnittwunde seitlich am Kopf zu, im anderen Fall durch den Schlag mit dem Messerknauf eine Platzwunde im Kniebereich. Bei einem weiteren Vorfall versetzte der Angeklagte der Geschädigten einen heftigen Kopfstoß mitten in das Gesicht, wodurch Frau W. u.a. einen Bruch des Nasenbeins erlitt. Auf die gleiche Weise hatte der Verurteilte zuvor einem nur 14jährigen Mädchen einen so heftigen Kopfstoß versetzt, dass dieses ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte. Auch sonst war das Verhältnis zwischen Frau W. und dem Angeklagten von häufigen Streitigkeiten geprägt, deren Anlass überwiegend das unter Alkoholeinfluss aufbrausende und eifersüchtige Verhalten des Angeklagten war.
- 51
An diesem von beiden Partnern als ambivalent eingeschätzten und unverändert konfliktträchtigen Verhältnis hat sich auch nach der Entlassung des Beschwerdeführers aus dem Maßregelvollzug nichts geändert. Er ist trotz des betreffenden Verbots und engmaschiger Überwachung durch die Führungsaufsichtsstelle unter bewusster Vertuschung seines wahren Aufenthalts im Haushalt seiner Lebensgefährtin wohnen geblieben und dort unter Alkoholeinfluss auch schon wieder gewalttätig gegen diese und gegen den gemeinsamen Sohn geworden. Dass dabei noch nicht wieder das Ausmaß früherer Gewalttätigkeiten erreicht worden ist, dürfte eher zufällig sein, zumal der Verurteilte auch die neuen Vorkommnisse schon wieder bagatellisiert, sich als Opfer seiner Lebensgefährtin stilisiert und sich wegen der Führungsaufsichtmaßnahmen von der Justiz zu Unrecht überwacht und gegängelt fühlt. Würde man den Beschwerdeführer weiter so gewähren lassen, wäre es nach kriminalistischer Erfahrung nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu tätlichen Übergriffen auf seine Partnerin oder andere Personen von der Qualität der Anlasstaten oder sogar darüber hinaus käme.
d)
- 52
Die aufgezeigten Weisungsverstöße begründen nach dem Vorgesagten die Gefahr, dass es infolge des schon bei der Anlassverurteilung diagnostizierten Hangs des Angeklagten zu erheblichen Straftaten zu neuerlichen Delikten durch ihn kommen kann, durch die die Opfer seelisch und/oder körperlich schwer geschädigt werden, weshalb er für die Allgemeinheit gefährlich ist.
- 53
So hat zuletzt der vor der Aussetzungsentscheidung in Anwesenheit des Verurteilten dazu befragte Sachverständige D. im Anhörungstermin vom 29.08.2012 ausgeführt, seine damalige Prognose einer nur noch moderaten Rückfallgefahr sei hinfällig, wenn der Verurteilte wieder alkoholrückfällig werde und erneut zu seiner Lebensgefährtin ziehe, weil diese Beziehung ein "deliktsförderndes Potential" enthalte und das Zusammenwohnen mit ihr ein "risikosteigerndes Element" darstelle. Diese Einschätzung hat sich nachfolgend bestätigt.
- 54
Der Zweck der Maßregel erfordert deshalb die erneute Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung. Er ist nur kurze Zeit nach seiner bedingten Entlassung aufgrund seiner unverändert vorhandenen dissozialen und stark psychopathisch ausgeprägten Persönlichkeitsstörung in Kombination mit Alkohol- und Drogenmissbrauch wieder in genau die selben, seinen Hang im Sinne von § 66 StGB ausmachenden Verhaltensweisen zurückgefallen, die bei der Anlassverurteilung der Grund für die Anordnung der Sicherungsverwahrung gewesen sind.
- 55
Weniger einschneidende Maßnahmen bieten demgegenüber keine ausreichende Sicherheit auf Erfolg, nachdem der Verurteilte sich während der bisherigen Dauer der Bewährungszeit ungeachtet mehrfacher Interventionen seines Bewährungshelfers und der Führungsaufsichtsstelle sowie einer kontinuierlichen Verschärfung der Auflagen und Weisungen durch die Strafvollstreckungskammer, gestellter Strafanträge nach § 145a StGB, erfolgter Anklageerhebung und des ihm bekanntermaßen drohenden Widerrufs der Aussetzung des Maßregelvollzugs nicht davon hat abhalten lassen, die Weisungsverstöße mit steigender Frequenz fortzusetzen.
- 56
Anhaltspunkte dafür, dass die Resozialisierung des Verurteilten, statt durch den Vollzug der Sicherungsverwahrung, durch eine Überweisung in den Vollzug einer Maßregel nach §§ 63, 64 StGB besser gefördert werden könnte (§ 67a Abs. 2 Satz 1, Abs. 1 StGB), sind jedenfalls derzeit nicht vorhanden. Dabei ist auch zu sehen, dass die nunmehr zu vollziehende Sicherungsverwahrung an den erhöhten qualitativen Anforderungen des § 66c StGB auszurichten sein wird.
e)
- 57
Soweit die Verteidigung einwendet, der Verurteilte habe seit der Entlassung aus der Sicherungsverwahrung noch keine schweren, in ihrem Gewicht der Anlassverurteilung vergleichbare Straftaten begangen, weshalb der erneute Vollzug der Sicherungsverwahrung jedenfalls unverhältnismäßig sei, verkennt sie, dass der Bewährungswiderruf vorliegend nicht auf § 67g Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB, sondern allein auf die dortige Nr. 2 gestützt ist. Weiterhin ergibt sich aus § 66 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 c) StGB, dass bloße Weisungsverstöße im Rahmen einer - wie hier - wegen einer Katalogtat nach Buchstabe a) der Vorschrift eingetretenen Führungsaufsicht im Falle ihrer Aburteilung nach § 145a StGB und Verhängung einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen von § 66 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 2 - 4 StGB, die hier zu bejahen wären, für sich genommen und dann zwingend (!) die erneute Anordnung der Sicherungsverwahrung zur Folge hätten. Der Gesetzgeber hat damit seine Wertung zum Ausdruck gebracht, das Weisungsverstößen im Rahmen einer Führungsaufsicht, die als Folge von Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit eingetreten ist, indiziell ein ungleich höheres Gewicht zukommt als es bei der Missachtung von Auflagen und Weisungen im Rahmen einer Strafaussetzung zur Bewährung oder von Führungsaufsicht aus anderem Grund der Fall ist.
f)
- 58
Auch sonst ist es keine Voraussetzung für den Widerruf der Aussetzung der Vollstreckung der Sicherungsverwahrung zur Bewährung, dass der dafür genommene Anlass dasselbe Gewicht haben muss, das für die originäre Anordnung der Maßregel erforderlich ist (vgl. OLG Bamberg, Beschluss vom 07.03.2012 - 1 Ws 115/12 - Rdz. 20 in juris; KG Berlin, Beschluss vom 15. Mai 2001 - 1 AR 490/01 - 5 Ws 229/01, 1 AR 490/01, 5 Ws 229/01 -, Rdz. 4 in juris). Es geht nicht um die Frage, ob jetzt Sicherungsverwahrung zu verhängen ist, denn das ist bereits rechtskräftig geschehen, sondern es ist allein noch darüber zu befinden, ob es zum Schutz der Allgemeinheit vor dem sich nach seiner Entlassung weisungswidrig verhaltenden Verurteilten des erneuten Vollzugs der Maßregel bedarf. Es genügt deshalb für den Widerruf der Aussetzung der Maßregel, dass die Weisungsverstöße begründeten Anlass zu der Besorgnis geben, dass der Verurteilte künftig erneut Straftaten von einem der Anlassverurteilung vergleichbaren Gewicht begehen könnte. Das ist hier nach dem zuvor Gesagten zu bejahen (vgl. oben II. 2 d und e).
g)
- 59
Eine neuerliche Begutachtung des Verurteilten vor der Widerrufsentscheidung ist weder im Gesetz vorgeschrieben (vgl. § 463 Abs. 6 Satz 1, § 462 StPO), noch vorliegend unter dem Gesichtspunkt bestmöglicher Sachaufklärung geboten. Die letzte Prognosebegutachtung hat im Zuge der Aussetzungsentscheidung erst im Oktober 2012 durch den Sachverständigen D. stattgefunden, mithin vor nur 14 Monaten. Außerdem ist das Verhalten des Verurteilten während des Laufes der Bewährung fortlaufend und engmaschig von der Forensischen Ambulanz des Landesamtes für ambulante Straffälligenarbeit Mecklenburg-Vorpommern beobachtet und - dies auch im Zuge einer dort durchgeführten Fallkonferenz - fachkundig bewertet worden (vgl. oben I.10). Anhaltspunkte dafür, dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse und die daraus forensisch-psychologisch gezogenen Schlüsse unzutreffend sein könnten, sind nicht erkennbar. Auch die Verteidigung trägt dafür substantiiert nichts vor.
h)
- 60
Soweit die Betreuung des Verurteilten während des vorausgegangenen Strafvollzuges noch nicht den Anforderungen des § 66c Abs. 2 StGB entsprochen haben sollte, stünde auch dies dem (weiteren) Vollzug der Sicherungsverwahrung unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten nicht entgegen. § 67c Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 StGB findet gemäß Art. 316f Abs. 3 Satz 1 EGStGB nur Anwendung, wenn nach dem 31.05.2013 noch immer keine ausreichende Betreuung angeboten worden ist.
III.
- 61
Die Kostenentscheidung folgt aus § 473 Abs. 1 Satz 1 StPO.
Verwandte Urteile
Keine verwandten Inhalte vorhanden.
Referenzen
This content does not contain any references.