Beschluss vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen - 12 A 427/12
Tenor
Der Antrag auf Zulassung der Berufung wird abgelehnt.
Der Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.
Der Streitwert wird auf 14.466,42 Euro festgesetzt.
1
Gründe:
2Der Antrag auf Zulassung der Berufung hat keinen Erfolg, weil keiner der geltend gemachten Zulassungsgründe gegeben ist.
3Das Zulassungsvorbringen rechtfertigt nicht die vom Kläger geltend gemachten ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils im Sinne von § 124 Abs. 2 Nr.1 VwGO. Es vermag die entscheidungstragende Annahme des Verwaltungsgerichts, mit der Übertragung wesentlicher Teile der Personensorge - dem Aufenthaltsbestimmungsrecht, der Vermögenssorge und der Gesundheitssorge - auf ihn sei der Kindesvater nicht in dem Sinne Inhaber der Personensorge geworden, dass § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII zur Anwendung kommen könne, nicht zu erschüttern.
4Wann die Personensorge den Eltern im Sinne von § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII gemeinsam zusteht, wird abschließend durch die familienrechtlichen Vorschriften des BGB geregelt. So steht bei Geburt nicht miteinander verheirateten Eltern nach § 1626a Abs. 1 BGB die elterliche Sorge nur dann gemeinsam zu, wenn sie - anders als hier geschehen - eine entsprechende Sorgerechtserklärung abgeben oder einander heiraten. Nachträglich kann eine gemeinsame elterliche Sorge in solchen Fällen vom Familiengericht nur unter den Voraussetzungen des § 1672 Abs. 2 i. V. m. Abs. 1 BGB begründet werden. Auch dies ist vorliegend nicht erfolgt. Vor diesem Hintergrund erfasst die Anknüpfung an den "personensorgeberechtigten Elternteil" in § 86 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII in Abgrenzung zu der Tatbestandsvoraussetzung des gemeinsamen Personensorgerechts der Eltern in § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII auch die Fälle, in denen einzelne Angelegenheiten der Personensorge dem im Sinne von § 1626 Abs. 2 BGB allein sorgeberechtigten Elternteil entzogen und einem anderen, etwa dem anderen Elternteil übertragen worden sind. Etwas anderes kann auch aus dem Beschluss des Senates vom 12. Januar 2009 - 12 A 2357/07 - (juris) nicht abgeleitet werden, zumal diese Entscheidung abweichend vom vorliegenden Fall von einer gemeinsamen Personensorge der Eltern im Sinne von § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII ausgeht. Welche Folgen bei dieser Ausgangslage an die exklusive Übertragung von Teilbereichen der Personensorge an einen der beiden Personensorgeberechtigten geknüpft wird, hat angesichts der eindeutigen Gesetzesregelungen für die vorliegende Konstellation keine Aussagekraft.
5Der unmissverständliche, klare Gesetzeswortlaut, dem gerade im komplexen Erstattungsrecht besondere Bedeutung zuzumessen ist, lässt es auch nicht zu, § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII auf den vorliegenden Fall, dass beide Elternteile nebeneinander jeweils einen Teil der elterlichen Sorge alleine ausüben, entsprechend anzuwenden.
6Vgl. dazu: DIJuF - Rechtsgutachten vom 25. Februar 2009, J 8.110 Ad, JAmt 2009, 132.
7Von einer Regelungslücke kann angesichts des oben in Abgrenzung zu § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII beschriebenen Anwendungsbereiches des § 86 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII nämlich von vornherein nicht die Rede sein.
8Nach alledem kann die Berufung auch nicht nach § 124 Abs.2 Nr. 3 VwGO wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache zugelassen werden. Die Rechtslage lässt sich bereits eindeutig aus den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften ersehen, ohne dass es noch einer ober- oder höchstrichterlichen Entscheidung bedarf.
9Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 154 Abs. 2, 188 Satz 2 Halbsatz 2 VwGO. Die Streitwertfestsetzung folgt aus §§ 47 Abs. 1 und 3, 52 Abs. 1 und 3 GKG.
10Dieser Beschluss ist gemäß § 152 Abs. 1 VwGO und - hinsichtlich der Streitwertfestsetzung - nach §§ 66 Abs. 3, 68 Abs. 1 Satz 5 GKG unanfechtbar. Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist nunmehr rechtskräftig (§ 124a Abs. 5 Satz 4 VwGO).
Zitiert von
Bislang zitiert keine andere Entscheidung dieses Urteil.
Referenzen
- VwGO § 124 2x
- § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII 2x (nicht zugeordnet)
- § 86 Abs. 2 Satz 2 SGB VIII 4x (nicht zugeordnet)
- BGB § 1626a Elterliche Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern; Sorgeerklärungen 1x
- BGB § 1672 (weggefallen) 1x
- § 86 Abs. 2 Satz 1 SGB VIII 2x (nicht zugeordnet)
- BGB § 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze 1x
- 12 A 2357/07 1x (nicht zugeordnet)
- VwGO § 154 1x
- VwGO § 188 1x
- GKG 2004 § 47 Rechtsmittelverfahren 1x
- GKG 2004 § 3 Höhe der Kosten 2x
- GKG 2004 § 52 Verfahren vor Gerichten der Verwaltungs-, Finanz- und Sozialgerichtsbarkeit 1x
- VwGO § 152 1x
- GKG 2004 § 66 Erinnerung gegen den Kostenansatz, Beschwerde 1x
- GKG 2004 § 68 Beschwerde gegen die Festsetzung des Streitwerts 1x
- VwGO § 124a 1x