Beschluss vom Bundesgerichtshof - 1 StR 455/21
Tenor
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1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts München I vom 13. Juli 2021 im Rechtsfolgenausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.
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2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.
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3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Jugendschutzkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
Gründe
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Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit Vergewaltigung in Tateinheit mit Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt und die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten führt zur Aufhebung des Rechtsfolgenausspruchs; im Übrigen ist sie unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
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1. Der Schuldspruch weist Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten nicht auf.
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2. Hingegen begegnet der Strafausspruch durchgreifenden rechtlichen Bedenken, da das Landgericht bei der Festsetzung der Freiheitsstrafe nicht erörtert hat, dass gegen den Angeklagten zugleich die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet worden ist.
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a) Zu den bei der Strafzumessung nach § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB zu berücksichtigenden Wirkungen, die von der Strafe für das künftige Leben des Angeklagten in der Gesellschaft zu erwarten sind, gehört im Einzelfall auch die Wechselwirkung zwischen der verhängten Strafe und einer Maßregel der Besserung und Sicherung. Die Strafhöhe kann durch diese Wechselwirkung beeinflusst werden; beide Sanktionen müssen nicht nur einzeln, sondern auch zusammen angemessen sein (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Januar 2021 – 2 StR 188/20 Rn. 16; vgl. auch Urteile vom 21. Oktober 2004 – 4 StR 325/04 Rn. 12; vom 29. November 2005 – 5 StR 339/05 Rn. 7 und vom 19. Juni 2008 – 4 StR 114/08 Rn. 18; siehe auch BVerfG, Urteil vom 5. Februar 2004 – 2 BvR 2029/01, BVerfGE 109, 133, 179). Das ist in einer Gesamtschau zu bewerten (vgl. Schäfer/Sander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 6. Aufl., Rn. 724).
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b) Gemessen daran lassen die Urteilsgründe im vorliegenden Fall nicht erkennen, dass die Strafkammer bei der Bemessung der Strafe die zugleich angeordnete Sicherungsverwahrung in den Blick genommen hat. Der Senat vermag deshalb nicht auszuschließen, dass die Jugendschutzkammer bei rechtsfehlerfreier Würdigung zu einer niedrigeren Freiheitsstrafe gelangt wäre.
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3. Dies führt zur Aufhebung der Strafe und lässt die formellen Voraussetzungen der – im Übrigen rechtsfehlerfrei angeordneten – Sicherungsverwahrung in Wegfall geraten. Aus diesem Grund war auch diese Maßregel aufzuheben(vgl. BGH, Beschlüsse vom 30. März 2021 – 2 StR 18/21 Rn. 6 und vom 2. Februar 2021 – 2 StR 461/20 Rn. 13).
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Raum
RiBGH Bellay ist im Urlaub und
deshalb an der Unterschriftsleistung
gehindert.Bär
Raum
Hohoff
Pernice
Zitiert von
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Urteil vom Bundesgerichtshof - 2 StR 511/21
22. Juni 2022
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2 StR 511/21 | 22. Juni 2022 |
Referenzen
- StPO § 349 Entscheidung ohne Hauptverhandlung durch Beschluss 1x
- StGB § 46 Grundsätze der Strafzumessung 1x
- 2 StR 188/20 R 1x (nicht zugeordnet)
- 4 StR 325/04 R 1x (nicht zugeordnet)
- 5 StR 339/05 R 1x (nicht zugeordnet)
- 4 StR 114/08 R 1x (nicht zugeordnet)
- 2 BvR 2029/01 1x (nicht zugeordnet)
- BVerfGE 109, 133, 179 1x (nicht zugeordnet)
- 2 StR 18/21 R 1x (nicht zugeordnet)
- 2 StR 461/20 R 1x (nicht zugeordnet)