Beschluss vom Landesarbeitsgericht Düsseldorf - 7 Ta 143/99
Tenor
Unter Zurückweisung des Rechtsmittels im übrigen wird auf die
Beschwerde der Antragstellerin der Beschluß des Arbeitsge-
richts Düsseldorf vom 26.11.1998 teilweise abgeändert.
Der Gegenstandswert zur Berechnung der Rechtsanwalts-
gebühren wird anderweitig auf 42.000,-- DM festgesetzt.
Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei.
1
G r ü n d e:
2Die zulässige Beschwerde (§ 10 Abs. 3 BRAGO) hat zu einem geringen Teil Erfolg.
3Die Antragstellerin wendet sich mit ihrer Beschwerde allgemein gegen die ständige Rechtsprechung der Beschwerdekammer, wonach bei Verfahren nach §§ 99 ff. BetrVG bei der Wertfestsetzung von § 12 Abs. 7 ArbGG auszugehen ist. An dieser Recht-
4sprechung ist jedoch trotz der Ausführungen der Antragstellerin und der von ihr überreichten abweichenden Entscheidungen anderer Landesarbeitsgerichte festzuhalten.
5Zwar handelt es sich insoweit um nichtvermögensrechtliche Streitigkeiten. Der somit für die Wertfestsetzung heranzuziehende § 8 Abs. 2 S. 2 BRAGO schließt es jedoch entgegen der Auffassung der Antragstellerin nicht aus, sich an vergleichbaren Wertvorschriften zu orientieren. Der in der gesetzlichen Bestimmung genannte Betrag von 8.000,-- DM ist kein Regelwert, sondern lediglich ein Hilfswert, der nur dann als Ausgangspunkt zu nehmen ist, wenn im jeweiligen Fall keine sonstigen Anknüpfungspunkte für die Wertfestsetzung vorhanden sind (vgl. aus der ständigen Rechtsprechung der Beschwerdekammer den Beschluß vom 16.12.1993 7 Ta 304/93 - ; siehe des weiteren: Riedel/Sußbauer/Fraunholz, BRAGO, 7. Aufl., § 8 Rdn. 49; zur Wertfestsetzung im Beschlußverfahren ausführlich: GK-ArbGG/Wenzel, Rdn. 263 ff., ebd. insbes. 266).
6Für das Verfahren auf Ersetzung der Zustimmung zur Kündigung (§ 103 BetrVG) bietet § 12 Abs. 7 S. 1 ArbGG den geeigneten Anknüpfungspunkt. Der Wert ist daher hier auf drei Monatseinkommen des Beteiligten H. festzusetzen (3 x 6.000,-- DM =
718.000,-- DM).
8Wird, wie hier, der Antrag des Arbeitgebers auf Zustimmungsersetzung zurückgewiesen, steht der Fortbestand des Arbeitsverhältnisses des Betriebsratsmitglieds fest. Im umgekehrten Fall ist nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in einem späteren Kündigungsschutzverfahren das Gericht an die Feststellung gebunden, dass die außerordentliche Kündigung unter Berücksichtigung aller Umstände gerechtfertigt ist (BAG EzA § 103 BetrVG 1972 Nr. 8; vgl. zum Meinungsstand: KR-Etzel, 5. Aufl.,
9§ 103 BetrVG Rdn. 139). Auch in diesem Fall werden durch den Beschluß also im
10wesentlichen endgültige Verhältnisse geschaffen. Bei dieser Sicht der Dinge stellt das Zustimmungsersetzungsverfahren quasi den vorweggenommenen Kündigungsschutzprozeß dar. Die hier dargelegte von der Beschwerdekammer bislang schon vertretene - Auffassung zur Streitwertfestsetzung (zuletzt: Beschluß vom 08.06.1998
117 TaBV 12/98 - ) wird auch nahezu einhellig vertreten (vgl. LAG Bremen DB 1984, 2416; Wenzel DB 1977, 722, 726; Germelmann/Matthes/Prütting, Arbeitsgerichtsgesetz, § 12 Rdn. 135; Tschischgale-Satzky, Das Kostenrecht in Arbeitssachen, 3. Aufl., S. 67). Auch das Bundesarbeitsgericht sieht die Dinge so (vgl. die Nachweise bei
12Tschischgale-Satzky, a.a.O., Fußn. 36 dort auch weitere Rechtsprechungsnach-
13weise; a.A. LAG Köln, Beschluß vom 30.09.1997 5 Ta 196/97 und LAG Schleswig-Holstein, Beschluß vom 20.05.1997 4 Ta 91/97 - ).
14Ähnlich liegen die Dinge, was die Zustimmungsersetzung für die Versetzung (§ 99
15Abs. 4 BetrVG) angeht.
16Bei einer Versetzung ist auf den Gegenstandswert bei Änderungskündigungen zurückzugreifen; bei Änderungskündigungen bringt die Beschwerdekammer in Anlehnung an
17§ 12 Abs. 7 ArbGG S. 1 ArbGG für den Normalfall 2 Monatseinkommen in Ansatz (vgl. Beschlüsse vom 09.11.1989 7 Ta 369/89 und 18.03.1993 7 Ta 374/92 - ). Dieser Wert ist für das Zustimmungsersetzungsverfahren nach § 99 Abs. 4 BetrVG zu über-
18nehmen (vgl. Beschlüsse der Beschwerdekammer vom 16.09.1993 7 Ta 204/93 -, 15.09.1997 7 TaBV 3/97 und 05.02.1998 7 TaBV 10/97 - ). An dieser Recht-
19sprechung, bei der die Beschwerdekammer sich bislang in Übereinstimmung mit den beiden anderen nordrhein-westfälischen Landesarbeitsgerichten befunden hat, hält die Beschwerdekammer trotz der zwischenzeitlich ergangenen abweichenden Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Köln vom 27.05.1995 4 Ta 126/95 - = JurBüro 1996, 590 fest.
20Auch was schließlich den Antrag auf Ausschluß des Beteiligten H. aus dem Betriebsrat (§ 23 Abs. 1 BetrVG) betrifft, war für die Wertfestsetzung auf § 12 Abs. 7
21S. 1 ArbGG zurückzugreifen.
22Die Beschwerdekammer hat in ihrer bisherigen Rechtsprechung (zuletzt: Beschluß vom 14.03.1996 7 Ta 54/96 - ) in Übereinstimmung mit der ganz herrschenden Auffassung (vgl. LAG Hamm BB 1980, 994; LAGE Bremen DB 1985, 396; Schaub Arbeitsrechtliche Formularsammlung und Arbeitsgerichtsverfahren, 4. Aufl., § 104 Fußn. 35; Tschischgale-Satzky, a.a.O., S. 65; Wenzel DB 1977, 722, 724; GK/ArbGG- Wenzel,
23§ 12 Rdn. 277; a.a.O. BAG, Beschluß vom 18.09.1978 6 ABR 40/78 - , zitiert bei
24Tschischgale-Satzky, a.a.O., Fußn. 16) den Wert insoweit auf 3 Monatseinkommen des Betriebsratsmitglieds festgesetzt. Da indes der Bestand des Arbeitsverhältnisses selbst durch den Ausschluß aus dem Betriebsrat nicht berührt wird, bietet sich die
25Parallele zur Änderungskündigung bzw. Versetzung an, so dass eine Festsetzung auf
262 Monatseinkommen zu erfolgen hat. In diesem Punkt modifiziert daher die Beschwerdekammer ihre bisherige Rechtsprechung.
27Insgesamt ergibt sich somit ein Wert von 42.000,-- DM (18.000,-- 12.000,--
2812.000,--).
29Gegen diesen Beschluß findet keine weitere Beschwerde statt (§ 78 Abs. 2 ArbGG).
30gez. Dr. Rummel
Zitiert von
Bislang zitiert keine andere Entscheidung dieses Urteil.
Referenzen
- § 10 Abs. 3 BRAGO 1x (nicht zugeordnet)
- §§ 99 ff. BetrVG bei der Wertfestsetzung von § 12 Abs. 7 ArbGG 1x (nicht zugeordnet)
- § 8 Abs. 2 S. 2 BRAGO 1x (nicht zugeordnet)
- 7 Ta 304/93 1x (nicht zugeordnet)
- BetrVG § 103 Außerordentliche Kündigung und Versetzung in besonderen Fällen 3x
- ArbGG § 12 Kosten 3x
- 7 TaBV 12/98 1x (nicht zugeordnet)
- DB 1984, 2416 1x (nicht zugeordnet)
- DB 1977, 722, 726 1x (nicht zugeordnet)
- 5 Ta 196/97 1x (nicht zugeordnet)
- 4 Ta 91/97 1x (nicht zugeordnet)
- BetrVG § 99 Mitbestimmung bei personellen Einzelmaßnahmen 2x
- 7 Ta 369/89 1x (nicht zugeordnet)
- 7 Ta 374/92 1x (nicht zugeordnet)
- 7 Ta 204/93 1x (nicht zugeordnet)
- 7 TaBV 3/97 1x (nicht zugeordnet)
- 7 TaBV 10/97 1x (nicht zugeordnet)
- 4 Ta 126/95 1x (nicht zugeordnet)
- BetrVG § 23 Verletzung gesetzlicher Pflichten 1x
- 7 Ta 54/96 1x (nicht zugeordnet)
- BB 1980, 994 1x (nicht zugeordnet)
- DB 1985, 396 1x (nicht zugeordnet)
- DB 1977, 722, 724 1x (nicht zugeordnet)
- 6 ABR 40/78 1x (nicht zugeordnet)
- ArbGG § 78 Beschwerdeverfahren 1x