StPO § 116 Aussetzung des Vollzugs des Haftbefehls

Strafprozeßordnung

(1) Der Richter setzt den Vollzug eines Haftbefehls, der lediglich wegen Fluchtgefahr gerechtfertigt ist, aus, wenn weniger einschneidende Maßnahmen die Erwartung hinreichend begründen, daß der Zweck der Untersuchungshaft auch durch sie erreicht werden kann. In Betracht kommen namentlich

1.
die Anweisung, sich zu bestimmten Zeiten bei dem Richter, der Strafverfolgungsbehörde oder einer von ihnen bestimmten Dienststelle zu melden,
2.
die Anweisung, den Wohn- oder Aufenthaltsort oder einen bestimmten Bereich nicht ohne Erlaubnis des Richters oder der Strafverfolgungsbehörde zu verlassen,
3.
die Anweisung, die Wohnung nur unter Aufsicht einer bestimmten Person zu verlassen,
4.
die Leistung einer angemessenen Sicherheit durch den Beschuldigten oder einen anderen.

(2) Der Richter kann auch den Vollzug eines Haftbefehls, der wegen Verdunkelungsgefahr gerechtfertigt ist, aussetzen, wenn weniger einschneidende Maßnahmen die Erwartung hinreichend begründen, daß sie die Verdunkelungsgefahr erheblich vermindern werden. In Betracht kommt namentlich die Anweisung, mit Mitbeschuldigten, Zeugen oder Sachverständigen keine Verbindung aufzunehmen.

(3) Der Richter kann den Vollzug eines Haftbefehls, der nach § 112a erlassen worden ist, aussetzen, wenn die Erwartung hinreichend begründet ist, daß der Beschuldigte bestimmte Anweisungen befolgen und daß dadurch der Zweck der Haft erreicht wird.

(4) Der Richter ordnet in den Fällen der Absätze 1 bis 3 den Vollzug des Haftbefehls an, wenn

1.
der Beschuldigte den ihm auferlegten Pflichten oder Beschränkungen gröblich zuwiderhandelt,
2.
der Beschuldigte Anstalten zur Flucht trifft, auf ordnungsgemäße Ladung ohne genügende Entschuldigung ausbleibt oder sich auf andere Weise zeigt, daß das in ihn gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt war, oder
3.
neu hervorgetretene Umstände die Verhaftung erforderlich machen.

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Zitiert von

Nichtannahmebeschluss vom Bundesverfassungsgericht (2. Senat 1. Kammer) - 2 BvR 745/18
18. September 2018
2 BvR 745/18 18. September 2018
Beschluss vom Hanseatisches Oberlandesgericht - 1 Ws 90/18
31. August 2018
1 Ws 90/18 31. August 2018
Beschluss vom Pfälzisches Oberlandesgericht Zweibrücken (1. Strafsenat) - 1 Ws 159/18
7. August 2018
1 Ws 159/18 7. August 2018
Beschluss vom Bundesgerichtshof (3. Strafsenat) - AK 24/18, AK 25/18
28. Juni 2018
AK 24/18, AK 25/18 28. Juni 2018
Stattgebender Kammerbeschluss vom Bundesverfassungsgericht (2. Senat 1. Kammer) - 2 BvR 631/18
25. Juni 2018
2 BvR 631/18 25. Juni 2018
Beschluss vom Bundesgerichtshof (3. Strafsenat) - StB 12/18
30. Mai 2018
StB 12/18 30. Mai 2018
Urteil vom Landgericht Flensburg - 2 O 227/17
13. April 2018
2 O 227/17 13. April 2018
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22. Februar 2018
AK 5/18 22. Februar 2018
Beschluss vom Bundesgerichtshof (3. Strafsenat) - AK 3/18
8. Februar 2018
AK 3/18 8. Februar 2018
Beschluss vom Bundesgerichtshof (3. Strafsenat) - AK 78/17
16. Januar 2018
AK 78/17 16. Januar 2018