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IRG § 80 Auslieferung deutscher Staatsangehöriger

Gesetz über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen

(1) Die Auslieferung eines Deutschen zum Zwecke der Strafverfolgung ist nur zulässig, wenn

1.
gesichert ist, dass der ersuchende Mitgliedstaat nach Verhängung einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe oder sonstigen Sanktion anbieten wird, den Verfolgten auf seinen Wunsch zur Vollstreckung in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zurückzuüberstellen, und
2.
die Tat einen maßgeblichen Bezug zum ersuchenden Mitgliedstaat aufweist.
Ein maßgeblicher Bezug der Tat zum ersuchenden Mitgliedstaat liegt in der Regel vor, wenn die Tathandlung vollständig oder in wesentlichen Teilen auf seinem Hoheitsgebiet begangen wurde und der Erfolg zumindest in wesentlichen Teilen dort eingetreten ist, oder wenn es sich um eine schwere Tat mit typisch grenzüberschreitendem Charakter handelt, die zumindest teilweise auch auf seinem Hoheitsgebiet begangen wurde.

(2) Liegen die Voraussetzungen des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 2 nicht vor, ist die Auslieferung eines Deutschen zum Zwecke der Strafverfolgung nur zulässig, wenn

1.
die Voraussetzungen des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 1 vorliegen und die Tat
2.
keinen maßgeblichen Bezug zum Inland aufweist und
3.
auch nach deutschem Recht eine rechtswidrige Tat ist, die den Tatbestand eines Strafgesetzes verwirklicht oder bei sinngemäßer Umstellung des Sachverhalts auch nach deutschem Recht eine solche Tat wäre, und bei konkreter Abwägung der widerstreitenden Interessen das schutzwürdige Vertrauen des Verfolgten in seine Nichtauslieferung nicht überwiegt.
Ein maßgeblicher Bezug der Tat zum Inland liegt in der Regel vor, wenn die Tathandlung vollständig oder in wesentlichen Teilen im Geltungsbereich dieses Gesetzes begangen wurde und der Erfolg zumindest in wesentlichen Teilen dort eingetreten ist. Bei der Abwägung sind insbesondere der Tatvorwurf, die praktischen Erfordernisse und Möglichkeiten einer effektiven Strafverfolgung und die grundrechtlich geschützten Interessen des Verfolgten unter Berücksichtigung der mit der Schaffung eines Europäischen Rechtsraums verbundenen Ziele zu gewichten und zueinander ins Verhältnis zu setzen. Liegt wegen der Tat, die Gegenstand des Auslieferungsersuchens ist, eine Entscheidung einer Staatsanwaltschaft oder eines Gerichts vor, ein deutsches strafrechtliches Verfahren einzustellen oder nicht einzuleiten, so sind diese Entscheidung und ihre Gründe in die Abwägung mit einzubeziehen; Entsprechendes gilt, wenn ein Gericht das Hauptverfahren eröffnet oder einen Strafbefehl erlassen hat.

(3) Die Auslieferung eines Deutschen zum Zwecke der Strafvollstreckung ist nur zulässig, wenn der Verfolgte nach Belehrung zu richterlichem Protokoll zustimmt. § 41 Abs. 3 und 4 gilt entsprechend.

(4) (weggefallen)

Referenzen

Zitiert von

Beschluss vom Oberlandesgericht Köln - 3 OAus 144/25
21. Januar 2026
3 OAus 144/25 21. Januar 2026
Beschluss vom Oberlandesgericht Bamberg - 1 OAus 53/24
24. Februar 2025
1 OAus 53/24 24. Februar 2025
Stattgebender Kammerbeschluss vom Bundesverfassungsgericht - 2 BvR 1103/24
24. Januar 2025
2 BvR 1103/24 24. Januar 2025
Beschluss vom Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht (1. Strafsenat) - 1 OAus 29/24
19. Dezember 2024
1 OAus 29/24 19. Dezember 2024
Beschluss vom Oberlandesgericht Köln - 3 OAus 8/24
7. Mai 2024
3 OAus 8/24 7. Mai 2024
Beschluss vom Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen - 1 AuslA 56/22
16. Februar 2023
1 AuslA 56/22 16. Februar 2023
Beschluss vom Bundesgerichtshof - 2 ARs 189/22
27. September 2022
2 ARs 189/22 27. September 2022
Beschluss vom Oberlandesgericht Celle (2. Strafsenat) - 2 AR (Ausl) 12/21
23. Juni 2021
2 AR (Ausl) 12/21 23. Juni 2021
Beschluss vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main (2. Strafsenat) - 2 Ausl A 151/20
17. November 2020
2 Ausl A 151/20 17. November 2020
Beschluss vom Oberlandesgericht Hamm - 2 Ausl. 18/20
27. Februar 2020
2 Ausl. 18/20 27. Februar 2020